Rallye Oberstaufen - Amman

In diesem Blog schreibt jeder des Teams "Staubmaul". Manchmal teilen nicht alle die gleiche Meinung, aber das selbe Schicksal ...

 

NEWS
 
RALLYE-BLOG 29/09 Nachtrag -Busreise Jordanien
RALLYE-BLOG 28/09 Sponsoren-Blog
RALLYE-BLOG 27/09 Motorblog Reloaded
RALLYE-BLOG 26/09 Der Hintergrund
RALLYE-BLOG 25/09 Nachtrag Sonntag 17.05 - Amman
RALLYE-BLOG 24/09 Nachtrag - Frische Fotos vom 19.05
 
28/09 Sponsoren-Blog

So, jetzt hat uns das „normale“ Leben seit ca. einer Woche wieder und wir finden endlich die Zeit, uns bei einigen wichtigen Personen und Firmen zu bedanken :

UNSERE SPONSOREN

Die Reihenfolge der Sponsoren in der nun folgenden kleinen Dankesrede hat nichts mit der Qualität oder Quantität der uns zur Verfügung gestellten Produkte tun - es war alles ohne Ausnahme Top-Ware (da wir alles benutzt haben, können wir das so sagen).
Als erstes möchten wir gerne Herrn Schleidt von der Firma ORTLIEB danken. Eine Woche Regen und eine Woche Staub konnte weder unserem wertvollen Equipment noch der weniger wertvollen Kleidung etwas anhaben. Selbst ein ca. 108jähriger Mann mit Rallyehandschuhen und einer offensichtlich riesigen Sehschwäche scheiterte kläglich bei dem Versuch, eine Tasche mit Hilfe seines Fahrzeuges zu öffnen. Zwar gab er sich redlich Mühe, die Tasche mit seinem Auto über den halben Parkplatz zu schleifen, um wenig später auch noch darauf zu parken, der Tasche aber konnte dies, neben ein paar Kratzern und Verbrennungen, nur ein müdes Lächeln abringen – sie hielt nach wie vor dicht. Und das war wichtig, da dort u.a. die Campingutensilien untergebracht waren.

Hier gilt unser Dank der Firma DECATHLON, im besonderen Herrn Albus aus dem DECATHLON SPORT STORE HERNE. Auf den bequemen Klappstühlen lässt es sich außerordentlich entspannt warten, wenn z.B. einige Teammitglieder an der syrischen Grenze sechseinhalb Stunden lang versuchen, an 28 Schaltern die genau richtigen und wichtigen acht Stempel für die Weiterreise zu erkaufen. Auch die Kommunikation zwischen den Fahrzeugen mit den Funken klappte super, auch wenn sich in fernen Ländern plötzlich deutsche Töne von anderen Teams auf unserem Kanal tummelten (Kanal 1 konnten sich offensichtlich alle Teams am leichtesten merken). Einen ausgesucht guten Schlaf bescherte uns der Hattrick aus Isomatte, Schlafsack und Schnellaufbauzelt, wobei letzteres beim Zusammenlegen ein wenig Geduld und Geschick verlangt, denn Bedienungsanleitung lesen kann jeder. Auch die anderen kleinen und großen Helferlein wie Stirnlampe, Tassen, Töpfe, Tische usw. haben unser hartes Outdoorleben auf Zeit um einiges komfortabler gemacht.

Doch kann selbst der größte Überlebenskünstler nicht ohne Nahrung, und vor allem nicht ohne deren schmackhafte Zubereitung, seinen Energiehaushalt in der freien Natur im Gleichgewicht halten. Zum Glück wurde uns hier professionelles Gerät in Form von Edelstahlgrills der Firma THÜROS zur Verfügung gestellt. Danke Herr  Schneider. Nachdem wir den Origami-gleichen Faltmechnanismus der Grills verstanden hatten, fanden unsere kulinarischen Höhenflüge kein Ende mehr, im Gegensatz zu denen der Tiere, die es sich darauf bequem gemacht hatten.

Um das Grillgut jedoch lebensmitteltechnisch unbedenklich von Ort zu Ort transportieren zu können, brauchte es eine geeignete Kühlmöglichkeit. Da waren uns die Kühlschränke von WAECO eine riesige Hilfe. Egal in welchem Land wir die typischen lukullischen Spezialitäten einkauften – wir konnten immer sicher gehen, dass diese bei der richtigen Temperatur auf ihre Zubereitung warten würden. Das hat beim Bier übrigens nicht immer geklappt, was aber auf einen Bedienungsfehler zurück zu führen ist. Wenn man morgens schon Durst auf das kalte Bier von abends hat – niemals den Kühlschrank auf 0° stellen, der macht das. Da hilft dann auch der Versuch wenig, das fünf Liter Fässchen auf dem Grill hin und her zu rollen. Es sein denn, man hat ein paar Stunden Zeit und keinen Durst. Keiner der beiden Fälle ist jedoch jemals bei unserem Team eingetreten. Apropos Zeit. Die wurde von unserem Kameramann in Form von unzähligen Stunden auf Tape gebannt. Möglich war dies, durch die Benutzung der Waeco Spannungswandler, welche es uns ermöglichten, die Kamera-Akkus (... und Handy-Akkus, Fotokamera-Akkus, Laptop-Akkus usw.) zu laden.

Dass wir auf den Bildern als Team zu erkennen waren, verdanken wir zu einem nicht unerheblichen Teil der Firma HEWLETT-PACKARD / SCHWEIZ. Die Mannschaftskleidung bestehend aus T-Shirts und Basecaps machten aus unscheinbaren Normalos modelgleiche Rallyegrazien, hielten gleichzeitig den Körper warm und bewahrten das Denkzentrum vor allzu starker Sonneneinstrahlung.

Uns der jordanischen Kultur, sicherlich unbewusst, näher gebracht haben uns die Bergegurte der Firma Bergen-Sichern-Heben. Als wir unser Material zwei Busfahrern anboten, damit der eine den anderen Reisebus aus dem Sand ziehen konnte, freuten sie sich nicht nur einfach. Nein, nachdem wir ihnen den Bergegurt, nach erfolgreicher Bergung, auch noch zum Geschenk machten, geißelten sie sich gegenseitig damit. Vielleicht haben sie sich nur darum geschlagen, wer den Gurt behalten darf, aber wer kennt sich mit fremden Kulturen schon so gut aus?

Weiterhin bedanken möchten wir uns gerne bei den Menschen, die sich im Vorfeld (und zwischendurch) um unsere Autos gekümmert haben und es uns ermöglichten, diese lange Strecke ohne größere Probleme zu meistern.
Ein herzlicher Dank geht an Uli Brühl KFZ-Service in Köln-Poll. Uli behandelte unsere Autos schon im Vorfeld und brachte es fertig, in Wadi Rum einen Fehler per Ferndiagnose zu erkennen, welcher dann mit Hilfe von Teilen des Teams 15 “Drive against hunger“ behoben werden konnte.
Auch Oliver Maronde von Maronde Ersatzteile aus Soest gilt unsere  besondere Anerkennung. Er hatte immer die richtigen Ersatzteile für unseren, noch kurz vor Antritt der Rallye schwächelnden, Volvo parat.
Weiterhin danken wir Herrn Spies und Herrn Arnold von der BMW Niederlassung Bonn. Sie haben noch drei Tage vor Rallyebeginn unseren BMW durchgecheckt, einen Spannungswandler eingebaut und uns mit diversem Zubehör in Form von sämtlichen Flüssigkeiten die man in ein Auto so reinschütten kann, versorgt (wir haben auch alles reingeschüttet).
Auch unseren Dank bekunden möchten wir gerne Herrn Rast und Herrn Neuhausen von der Mercedes Benz Niederlassung Köln/Bonn. Hier hat unsere S-Klasse, ebenfalls kurz vor Rallyestart, noch schnell einen Kühler eingebaut bekommen.

Unser allergrößtes Lob aber gilt den daheim gebliebenen Familienmitgliedern, Freunden, angeheirateten Schwippschwagern, Nachbarn und Haustieren. Ihr habt es möglich gemacht, dass wir diese tolle Reise unternehmen konnten. Vielen Dank dafür und weil das so gut geklappt hat, also ... wir haben da schon was für nächstes Jahr im Auge ... wenn ihr da noch mal ... könnte ‘n bisschen länger dauern ... aber dazu später mehr.

END OF STAUBMAULS RALLYE-EXPERIENCE 1.0
 
27/09 Motorblog Reloaded

bye bye

Nachdem wir jetzt über 6000km uns und die Autos quer durch Europa und den Orient gequält haben ist nun Zeit ein Resumé zu ziehen.
Im Großen und Ganzen haben uns die Autos nie im Stich gelassen, und uns sicher über die ganze Strecke gebracht. Die Wehwehchen, die sich zum Schluss eingestellt haben sind wohl hauptsächlich auf die Wüstenprüfung und die zum Schluss doch sehr hohen Temperaturen am Toten Meer zurückzuführen.

Der Mercedes war nie wirklich spritzig, wirkte zum Schluss aber doch sehr zuverlässig. Dass am Ende seine Kupplung den Geist aufgab war ärgerlich, blieb aber ohne größere Folgen. Mit Unterstützung von Team 51 haben wir es sage und schreibe 80 km lang geschafft den Wagen durch schwierigste Steigungen doch noch zur Käserei zu bringen. Dort musste er noch seinen Stern abgeben und wurde dann von seinem Fahrern gebührend verabschiedet.

... time to say good bye

Der BMW hatte neben dem Zwischenfall mit der Viscokupplung die gleichen Kupplungs-Probleme wie der Mercedes. Dies allerdings über einen wesentlich längeren Zeitraum. Die Kupplung trennte nur sporadisch, was aber die beiden Fahrer durch viel Geschick und Können ausgleichen konnten und das über eine Strecke von gut 800 km! Trotz aller Probleme behielt er seine Führungsposition inne und kam als erster an der Käserei an. Das einzige was man ihm vorwerfen kann ist, dass er nicht so starke Emotionen hervorrief.

jonasDer Volvo, der alte Lastesel, blieb auch bis auf den Wadi Rum Vorfall ohne Fehl und Tadel. Dass bei ihm auch am Schluss die Viscokupplung die Grätsche machte, hatte seinen Ursprung weniger im schlechten Material, als mehr in den unsäglichen Temperaturen, die am Toten Meer vorherrschten. Gut 45°C im Schatten sind auch für Autos die weniger als 20 Jahre alt sind einfach nicht besonders zuträglich. Aber was interessiert das einen, wenn man einen Jonas hat. Der ist übrigens schon von uns für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen worden und soll schon in der nächsten Woche den Orden „Pour le merit“ erhalten, und auch die Queen erwägt bereits die Erhebung in den Ritterstand. Mit den Jungs vom Team „8 Eier mit 4 Köpfen“ Bog er Draht, löste Schläuche und Pustete Ventile durch. Das Abschleppseil wurde nicht gebraucht.

Zum Abschluss: Alle drei Wagen waren auf ihre Art und Weise einfach nur klasse. Und ganz wichtig alle drei haben es aus eigener Kraft und ohne fremde Hilfe bis zur Käserei geschafft, was gerade auch für die Fahrer sehr wichtig war. Ob man sie für so eine Aktion noch einmal nehmen würde hängt von den Vorlieben eines jeden einzelnen ab. Es spricht auf jeden Fall nichts dagegen. Eins steht aber auf jeden Fall fest: wäre es nicht für einen guten Zweck gewesen, hätte keiner von uns seinen Wagen abgeben wollen. Good Bye und macht's gut in Jordanien.

 
26/09 Der Hintergrund


Reden wir nun über Dinge, die man nicht sieht, auch wenn sie sich unbewusst in den Vordergrund drängen. Das klingt philosophisch, ist es aber nicht. Es ist die Erkenntnis, dass man alleine auf dieser Welt nicht bestehen kann, denn auch noch so starke Beine brauchen jemanden, der ihnen die Schuhe anpasst. DAS ist philosophisch …
Wir reden hier von dem Menschen, der sich tagein tagaus darum gekümmert hat, dem Blog eine Form zu geben, die die Glockengießer vom Kölner Dom als langweilige Bügelperlenkünstler dastehen läßt, der die Seiten so gestaltet hat, dass Leonardos Abendmahl als ein besseres „Malen nach Zahlen“ erscheinen lässt und gegen dessen Design die Laokoongruppe im Vatikan nicht mehr ist als eine poplige Sandburg.
Volker Ohl!

Ok, vergesst den Namen, aber behaltet seine Kunst in Erinnerung.
Er ist verantwortlich nicht nur für das Layout der Webseiten. Aber er hat uns stärker geprägt, intensiver berührt, ja man kann sagen, er ist uns noch näher auf den Pelz gerückt als so manch anderes Team, das den Mercedes anschieben musste weil die Kupplung verreckt ist. Er hat den Schriftzug auf den Wagen gestaltet, der sich auf unsere Netzhaut eingebrannt hat, den wir nie vergessen werden.
Dann folgte die Webseite und als er schon lange jede Hoffnung in Gewissheit hat wandeln sehen, endlich Ruhe vor uns zu haben, kam der Anruf „Ey, was hälste von ‚nem Blog?“
Leider hat sein stürmisches Gemüt das „Super Idee, mach ich“ schneller heraussprudeln lassen, als sein Verstand ein bremsendes „Nein!“ hinterher schicken konnte.

So, wurde eine eigene eMail-Adresse eingerichtet, die auch von seinem Spamfilter nicht zufällig aussortiert werden konnte.
Wir gaben ihm ein, zwei Tage der Ruhe, der Hoffnung. Dann folgte der erste kleine Blog. Bestehend aus 32 Zeichen. Ein Anfang, ein Funke, den er schon für das grosse Feuer hielt. Doch dann folgten dicht auf dicht immer mehr geschriebene Mengen Buchstaben, die teilweise unkorrigiert und vor allem, unformatiert fluteten.

Wie es sich für ein Nachtschattengewächs gehört, zückte er nächtens seinen Prittstift, seine Schere, sein Geodreieck und wandelte den grob behauenen Glasstein in einen funkelnden Diamanten. Begeistert von seiner Arbeit, benebelt von seinem Erfolg, ließ er sich zu einem „Schickt doch mal Bilder“ hinreißen. Gerne.
Diese folgten und so wandelte sich der Textlayouter zum Grafiker und, dies sei besonders erwähnt, zu einem Autor.

Wie oft haben wir morgens am Frühstückstisch gesessen und darauf gewartet, die Bildunterschriften lesen zu dürfen. Wir haben uns danach verzehrt, diese mit einem lauten Lachen zu bedenken und somit den Hahn zu wecken, der noch lange nicht aufstehen wollte. Wie oft haben wir versucht, den feinsinnigen und interpretatorischen, humoresken, spaßigen, nicht trivialen, aber dann doch so einfach genialen Witz den im Raum sitzenden Arabern mit ägyptischen Schriftzeichen zu erklären? Und wie oft haben wir das Lob für eigentlich seine Arbeit, still und bescheiden wie wir sind, entgegen genommen.

Doch auch wenn niemand von ihm Notiz genommen hat, zurecht, denn wir sind die Helden, so war ER es doch, der unseren Geist beflügelte, war ER es, der unsere Kraft gestärkt, war ER es, der uns jeden Morgen das „Weiter so!“ leichter hat beschließen lassen. Deshalb sei hier noch mal gesagt, geschrieben, von Herzen gemeint: DANKE, VOLKER!

So, und jetzt mach das schön und lad das auf die Webseite…

(Letze Anm. des Blogmeisters: Liebe Staubmäuler, vielen lieben Dank für diese wirklich tolle Hommage an den "Mann im Hintergrund". Ihr müsst wisssen: Ich mag euch alle wirklich sehr ... aber solltet ihr nochmal auf die beknackte Idee kommen, mir 14 geruhsame Nächte zu versauen dann ... dann zieh' ich an den einzigen Ort der Welt, an dem es kein Internet gibt, nie gegeben hat und nie geben wird: zu meiner Mutter!!!)

 
25/09 Nachtrag Sonntag 17.05 - Amman

StaubMaul auf Platz 4!!!

... wie alle anderen auch. Die Menschenfreunde von der freundlichen Rallyeleitung haben olympisch entschieden. Neben den drei ersten Rängen gibt es nur einen weiteren Rang und eine Disqualifikation. Während sich alle Teams an den unterschiedlichsten Ergebnissen straßenbaulicher Experimente der letzten 12  Jahrhunderte erfreuten, habe ein nicht genanntes Team sich diesem Spaß entzogen und auf 2500 Kilometern Autobahnen befahren, was mit dem Ausschluss aus der Wertung geahndet wurde.

Zur Initiation der Allgäu-Orient Bezwinger hatte die freundliche Rallyeleitung in den Ballsaal des 5-Sterne Hotels Le Royal Amman geladen. Neben dem mehr oder weniger festlich gekleideten Fahrerlager, den Fans, jordanischen Ministern, Versicherungsvertretern und Militärs mit und ohne Waffen, und dem Organisationskomitee war als besonderer Ehrengast Prinzessin Basmah geladen. Der Besuch der Letzteren kündigte sich mit gesteigerter Nervosität auf Seiten der Organisatoren und Sicherheitsleute in Richtung des Zeitpunkts ihres Erscheinens an. Unter den vielen kreisrunden festlich gedeckten Tafeln gab es eine besonders große, die sich FAST in der Mitte des Saals befand. Das FAST versuchte man noch im Beisein der ersten Gäste zu korrigieren, indem das ausladende Rund an mehreren Stellen gepackt und durch hektische Anweisungen eines Dirigenten  an immer neuen „Mitten“ platziert wurde. Kaum abgestellt stürmte eine Horde Bediensteter mit vermutlich vorgekosteten Salattellerchen den Saal und deckte vor den gierigen Augen der  hungrigen Rallyeteilnehmer den königlichen Tisch.

Irgendwie haben es dann alle Beteiligten mit der Völkerverständigung zu ernst genommen. Ausgerechnet mit dem Topos „Pünktlichkeit“  versuchten die verschiedenen Kulturen sich einander anzunähern. Während die meisten Rallye-Teilnehmer mit einer gespielten arabischen Zeitlosigkeit irgendwann – auf jeden Fall viel zu spät - in den Festsaal eintrudelten, meinte des Königs Schwester doch glatt auf ihr Erscheinen um Punkt 19 Uhr beharren zu müssen, weswegen mit der Zeremonie bei halbleerem Saal begonnen wurde. Keine Kompromisse wurden dagegen in Punkto Alkoholausschank gemacht, auf den, muslimisch korrekt, komplett verzichtet wurde. Die Rallyeteilnehmer dankten es den arabischen Organisatoren mit dem mitteleuropäischen „Du kannst/sollst nicht Tanzen unter 3 Promille“-Prinzip und verzichteten höflich auf jegliche Anzeichen von Ausgelassenheit.

Als wäre das Redner-Pult von babylonischen Sprachverwirrern errichtet worden, erklangen die Reden größtenteils in Bayrisch, bayrischem Englisch und Arabisch, was zwar gelegentlich zu Verständnisproblemen führte, aber nicht von allgemeinem Beifall abhielt, sobald ein Redner zum Touchdown seines Vortrags angesetzt hatte. Hervorzuheben sind die Reden eines Mitglieds des später gekürten Siegerteams und der Prinzessin Basmah, die es beide schafften eine festliche und nachdenklich stimmende Ansprache zu halten.

Prinzessin Basmah vollzog höchstpersönlich die Ehrung der ersten drei Plätze. Zuvor vergab sie allerdings noch Ehrungen an die anwesenden Minister, Militärs, Polizeibeamte und Versicherungsvertreter – kurz an Menschen, die sich dem Erfolg der humanitären Ziele der Rallye auf die eine oder andere Weise verdient gemacht hatten. Unter anderem wurde Bernhard von ihrer Hoheit auf die Bühne gebeten, um ein Ding mit einer Art Urkunde, allerdings in Arabisch verfasst, zu erhalten. Beseelt von der ihm entgegengebrachten Aufmerksamkeit des jordanischen Königshauses, begann er sofort ungefragt Autogramme zu geben und dabei seinen Namen aus dem neuen Dokument auf Arabisch abzumalen. Der jordanische Justizminister machte ihn letztlich darauf aufmerksam, dass er fortwährend mit dem Namen der Prinzessin unterschrieben hatte, verzichtet aber in gnädiger Geste auf drakonische Strafen. Bei der anschließenden Siegerehrung wurde klar, dass die merkwürdigen Geräusche aus Richtung der Bühne keinesfalls den Versuch darstellten ein besonders exotisches Beduinen-Trompeten-Orchester zu stimmen, sondern vielmehr auf dem Mitteilungsbedürfnis des Hauptpreises beruhten: mit einem Bühnenaufzug wurde das Kamel auf die Bühne gefahren.

Nach Abschluss des offiziellen Teils wurde zum Buffet geblasen – die Reaktion des ausgehungerten Fahrerlagers stellte die Sicherheitskräfte auf eine harte Probe. Allah sei Dank hatte man ihnen aber im Vorfeld mitgeteilt, dass es an diesem Punkt des Programms zu Guerilla  ähnlichen Handlungen kommen könnte, und die Waffen blieben in ihren Holstern.

Als sich die meisten Gäste bereits soweit in der Nahrungskette heruntergearbeitet hatten, dass nunmehr unschuldige Obsttörtchen, die sich noch mit einer Tarnung aus Unmengen von Zucker und Süßstoff versucht hatten zu wehren, dran glauben mussten, begannen die Tanz- und Musikvorführungen. Mit ethnologischem Spürsinn vermuteten wir, dass nicht die komplette jordanische Musikkultur aus einem arabisch harmonisiertem Can Can, getanzt von Säbel schwingenden Männern und Gardinen-Kordel schwingenden Damen besteht. Insgeheim hoffen wir, dass unsere jordanischen Freunde über ähnliche Erfahrungen in der Beurteilung ausländischer Tanzdarbietungen verfügen und nicht glauben, dass „der Deutsche“ sich auf fröhliche Dirndl berockte Vollplayback-Schlager beschränkt und dazu immer die Jungs in Lederbuchsen die virtuelle Peitsche schwingen.

Da sich gegen Ende der Veranstaltung der Restalkoholpegel des Fahrerlagers so langsam gegen Null einpendelte, beschlossen immer mehr Teilnehmer den Saal vorzeitig zu verlassen und eine der hotelinternen Bars aufzusuchen. Wir erklärten den verduzten Jordaniern dann, dass es zu den wesentlichen deutschen Tugenden zählt das jeweilige Bruttoinlandsprodukt auf Vordermann zu bringen, indem man Dosenbier an den Hotelbars verköstigt. Leider sei dieses aufrichtige Anliegen so dermaßen dringend, dass viele den Raum bereits vor dem offiziellen Ende der Feierlichkeiten verlassen müssten. Als dann einer unserer engagierten Wirtschaftshelfer von Tisch zu Tisch ging, um zu berichten, dass man die Hotelleitung erfolgreich gebeten habe die Bar auf 10 Vorne (bzw. Etage) zu öffnen und dort ab sofort den Bierpreis für die mittellosen aber durstigen Abenteurer aus dem Abendland zu senken, beginnt unser Argumentationsgerüst leicht zu wanken.

Insgesamt war der Abend ein würdiger Abschluß für dieses Projekt. Bleibt nur noch einen Übersetzer zu finden, der Bernhard klar macht, dass sein Urkunden-Dings keine Adoptionsurkunde des jordanischen Königshauses ist, und wir ihn somit nicht weiter mit „Eure Majestät Bernhard I. vom Hohen Äcker“ ansprechen müssen.
 
24/09 Dienstag 19.05 - Der letzte Tag


Der letzte Tag ist angebrochen. Wehmut kommt allerdings nicht auf, dafür sind die Nachwirkungen der vorabendlichen Abschlussfeier noch zu dominant. Nach dem Frühstück geht es darum das Gepäck und sich selber in eine so günstige Ausgangsposition zu bringen, dass wir möglichst die Letzten im, ersten Bus sind, um dann die Ersten am Schalter zu sein, um wiederum dann die besten Plätze zu bekommen. Unsere Strategen haben das optimal ausklamüsert. Als wir antreten um zur Tat zu schreiten, sind die Gepäckstücke der anderen Teilnehmer bereits verstaut und in den vier Bussen findet sich auch für uns kein Platz mehr.

Wir sind die Ersten im letzten Bus, was allerdings wiederum als Erfolg gewertet werden kann, weil der hilfreiche Hotelmitarbeiter vorher mehrfach versucht hat, unsere insgesamt 300kg Gepäck mit klapprigen Wägelchen auf zu kleinen Rollen über einen viel zu grossen Bordstein zu schieben. Schnell stürzten wir ihm zur Hilfe und konnten so wenigstens das Leben unserer Kühlbox retten.

sicherheitskontrolle
Amman Airport - Sicherheitskontrolle - 19.05 - 10:30 Uhr: Okay! Manche Sachen von uns gehörten wirklich nicht ins Handgepäck. Aber man hätte dem Carsten wenigstens die Grillzange lassen können!

Am Flughafen versuchten wir dann, dem freundlichen Mitarbeiter beim Einchecken zu erklären, dass es völlig normal sei, wenn man die 15 Gepäckstücke nicht mehr eindeutig einem Passagier zuordnen könne, und er doch einfach irgendwas irendeinem Ticket zusprechen solle. Gesagt getan. Tobi stehen Renates Kleider bestimmt hervorragend, Fritz wird sich im Schwimmbad wohl fühlen, auch wenn er nur noch Bernhards Klettersachen zur Verfügung hat und Carsten kleidet sich die nächsten Wochen nur noch mit Campingstühlen und Schlafsäcken.

Nach gefühlten 226 Passkontrollen stehen endlich alle am Gate und warten. Ein in der Zwischenzeit weit verbreitetes Beschäftigungsfeld, bei dem jeder eine eigene Strategie entwickelt hat, ist es zu starren, starren oder starren.


Gut zu wissen: Das Boarding im International Airport Amman funktioniert mit PowerPoint. Was man besser verschweigt: Die Anflugkontrolle im Tower auch!

Im Flieger freuen sich alle auf die Plätze. „1J“. Jippi, wir sitzen vorn. Leider auch der Mann mit Bart, der geht nicht weg, weil auf seinem Platz „1A“ der Mützentyp hockt. Leider kann der nicht nach hinten, weil sich das Team „4 Eier für 8 Köpfe“ (oder umgekehrt) auf den Plätzen breit gemacht hat, bei denen sich Primzahl und Selbstlaut treffen. Kurz bevor wir uns mit den abgeschraubten und nah am Herzen getragenen Nummernschildern der zurückgelassenen Autos die Schädeldecken in einen Zustand versetzen, der direkte Operationen am offenen Hypothalamus ermöglicht, eilt die freundliche Stewardess von hinten herbei und ruft „Freie Platzwahl! Freie Platzwahl!“. Die meisten beruhigen sich, für andere ist das nur eine Aufforderung, die Wahl mit weiterer Vehemenz zu ihrem Gunsten zu gestalten.

amman
Frisch lackiert macht dieser umgebaute Weltkriegsbomber der "Royal Jordan" gleich einen viel vertrauenswürdigeren Eindruck.

Aber alles beruhigt sich und wir sitzen.
Dieses Flugzeug ist das erste der Royal Jordan Airline, in der Bier ausgegeben wird. Ein kleiner Kulturbruch, den andere versuchen dadurch zu überbrücken, in dem sie sich in landestypischer Tracht kleiden. Ein mutiges Unterfangen, weil Kleidung oft auch Aussage ist. Wir warten auf den Araber, der sich in Berlin Kreuzberg landestypisch deutsch kleiden will und mit Bomberjacke und Springerstiefel durch einen Park spaziert.
Jetzt warten alle auf das Essen. Es dauert noch 10 Minuten. Wir sind erleichtert, 5 jordanische Minuten sind 30 deutsche und 2 bedeutet nie.

Bei der Ankunft in Friedrichshafen wird ein großes Brimbamborium veranstaltet. Löschfahrzeuge der Feuerwehr bilden ein Spalier und beschießen unsere Sondermaschine mit Wasserfontänen, es gibt Fans mit großen Bannern und einen roten Teppich direkt vor dem Terminal(chen). Den Soundtrack zu der Szenerie liefert eine Allgäuer Blaskapelle - das Organisationskomitee hatte schon immer einen Sinn fürs Schräge.

friedrichshafen
Um auf das Hochsicherheits-Rollfeld zu gelangen, scheuen diese Attentäter nicht davor zurück, sich als Trachtenkapelle zu verkleiden!

Dann schnell Mietwagen organisiert und ab auf die Piste. Zur verkehrstechnischen Resozialisierung haben wir uns ja noch eine Rückfahrt von 553km vorgenommen. Die Straßen sind ungewohnt schlaglochfrei und die Autos schnell und zuverlässig. Um diesen Fahr-Kulturschock zu verkraften geht’s direkt und total mobil ins Internet. In London soll eine Rallye starten bei der es mit Frittenfett als Brennstoff nach Athen geht, und irgendwer weiß was von einer Rallye durch Russland bis in die Mongolei...

...wir sind noch lange nicht angekommen!
 
29/09 Nachtrag - Busreise Jordanien


… Wir warten …

Und dies ist der rote Faden der Anschlussreise im Bus – wir warten….
Für einige endet die Rallye hier an der Syrisch-Jordanischen Grenze und nun sitzen mit Kind und Kegel im Vollklima. Der Staub ist nur noch durch die Scheibe zu erahnen oder wenn wir aussteigen (dürfen).
Wenn einer eine Reise tut so gibt es doch einiges zu berichten und vor allem in fremden Ländern mit noch fremderen Regeln und noch noch fremderen Maßstäben.

Doch der Reihe nach.

Meine Frau erwartet mich schon sehnsüchtig hinter der Grenze in Jordanien mit einem Plakat in der Hand, damit ich auch weiß, wo ich hinrennen muss und dem Bub an der Hand. In der prallen Sonne – dieses Warten hinterlässt leider auch seine Spuren, in Form von Brandmalen im Gesicht meiner Frau. Doch was sind Verbrennungen gegen das endliche Wiedersehen.

Schnell sind die Sachen umgeladen und spätestens jetzt merken wir … Schnell geht schon mal gar nicht. Konnten wir bisher selber das Tempo bestimmen, so gilt von nun an die arabische Zeit. Und die hat man hier – ich glaube im Überfluss.
Irgendwann nach allen Rallye Teilnehmern, fährt dann auch der Bus los, und weil der Bus kein Sand mag fahren wir direkt ins Camp und warten.
Während die anderen in der Wüste fest hängen, sitzen wir in der Warteschleife. Erkläre das mal einem sechsjährigen. Aber dieser Aufgabe müssen wir öfter gerecht werden.

So schön, dass wir einen Fußball dabei haben (noch). Während die übrigen Staubmäuler nur Sand ins Gesicht bekommen, dürfen wir schon mal unser Budget an teurem Bier aufbrauchen.
So zieht sich der Abend im Wüstencamp unmittelbar an einer Hauptstraße entlang und wird auch nicht unnötig durch z. B. duschen gestört, denn es gibt gar keine. Eigentlich schon, aber über die reden wir nicht. Für die angereisten Fans eine echte Herausforderung. Von fünf Sterne plus zu minus Sieben.

In shala die Nacht ist endlich vorbei, und so warten wir bis der Bus abfährt oder beladen wird oder wieder umgepackt oder … nun, wir warten. Die Autos sind schon lange wieder unterwegs, bis auch wir endlich vom staubigen Hof rollen. Und von da ab kann es ja nur besser werden.
Noch schnell einen kurzen Stopp beim Laurence von Arabien, haben wir Zeit und Muße und gewinnen langsam auch die nötige Distance zur letzten Nacht.

Die Fahrt dorthin verläuft noch problemlos und wir haben Zeit dem Jungen alles zu erklären und aus dem Fenster zu schauen, bis auch wir endlich mal ein Stopp einlegen, und echte Luft einatmen können. Klimaanlagen haben auch ihren Nachteil.
Der Fahrer ist nett auch ohne Kommunikation und so schauen wir zwischen wilden Brems- und Überholmanövern zum Fenster raus.
Irgendwann kommen wir in wieder in ein Camp.

Komisch ist es schon, dass in diesem Camp keinen antreffen, der uns erwartet. Na warten wir es mal ab. Aber nicht ohne endlich hier die sanitären Einrichtungen / Duschen zu testen. Endlich sauber.
Echt schön hier, auch wenn es zum Kicken etwas zu heiß ist, schaffen wir es doch, den Jungen auch glücklich zu stimmen. Schließlich steht ja auch noch eine Wüstentour auf dem Programm, auch wenn hier niemand etwas davon weiß. Nicht mal unser Busfahrer. Also bitten den netten Busfahrer, uns mal dort hin zu bringen, wo es losgehen soll -
Wow wahnnsinn irre beeindruckend wadi rum.
Im offenen Jeep geht es bergauf, bergab über Stock und Stein und Sand.
Den Jungen halten wir zwischen Fotoapparat und uns selber gut fest.
Tolles Erlebnis … und beeindruckende Natur.

Irgendwann stauben wir dann wieder im Camp wieder vor uns hin und warten auf die Bettenzuteilung. Wobei; hier bekommen wir den Familienbonus. Ein eigenes Dreimannzelt mit richtigen Betten und einer Petroleumlampe. Hat zwar etwas gedauert, schließlich mussten wir in ungefähr in 80 von 100 Zelten feststellen, dass sich hier schon andere eingenistet hatten. (Franzosen)
Eine Gruppe die man ohne schlechtes Gewissen auch in die Wüste schicken könnte, wenn wir nicht schon hier wären. Dann geht es mit orientalischen Klängen ab ins Zelt.

Endlich ausschlafen mehr oder weniger, ohne fremdes Schnarrens, dafür wurde das Frühstück ausgelassen, nicht ganz absichtlich, aber offensichtlich brauchen die Franzosen morgens auch etwas länger, was die Schlange bewies.
Der Bus fährt ab, oder doch nicht. Warten wir’s mal ab, bis auch der Letzte ankommt und mitfahren will, irgendwann.
Die Fahrt dauert etwa zwei Stunden runter zum Roten Meer. Wir sehen Israel und eine wunderschöne Landschaft. Und nach gut zwei Wochen über etwa 1000 Höhenmetern, erreichen wir jetzt auch wieder den Nullpunkt.

Wir freuen uns schon alle sehr, auf das mehr oder weniger erste richtige Hotel. Es soll in Aqaba sein.
Die Reise im Bus gestaltet sich mit der Zeit immer angenehmer. Es werden Süßigkeiten ausgetauscht, und Informationen, die wir uns selber ausdenken. Denn der Busfahrer gibt keine und auch die Reiseleitung – bitte wer? Es soll sie geben, mehr wissen wir leider auch nicht. Und irgendwann, kommen wir dann an und steigen dann aus.
Es beginnt der Run auf die Rezeption. oder zum Buffet oder ….
Eine Reise im Bus ist eben doch etwas anderes. Doch jetzt haben wir erst einmal frei, keine Termine, nur wir und der Pool. Mehr wollen wir jetzt auch nicht.

Am nächsten Morgen zur arabischen Zeit und einer Stunde Warten, geht es weiter. Der Gepäckraum wird immer voller, weil auch die Anzahl der selbst fahrenden Autos abnimmt.

Nun geht es wieder bergauf nach Petra. Es wird wärmer und endlich können wir aussteigen, einmal zum Fotografieren und weil der Busfahrer uns etwas mitteilen möchte:
Bitte alles im Bus lassen – zu gefährlich und zu teuer. Einen Hinweis mit dem ich im Verlauf der Bustour nicht wirklich einverstanden bin.
Wir kommen an in Petra. Geplante Abfahrt 16 Uhr. Aussteigen und siehe da: touristisch voll erschlossen und leider auch sehr vermüllt.
Um 15 Uhr stehen wir ohne Geld und Gut vor dem verschlossenen Bus. Hat auch gereicht die Wandertour vor allem für den Jungen, obwohl, wir hätten ja auch einen Esel mieten können. bzw. kaufen, bei dem Preis. Aber wir sollten ja alles im Bus lassen – so auch das Geld.

Der Busfahrer kommt und die meisten Fahrgäste, aber eben nicht alle.
Wir warten.
Nach über einer halben Stunde schwitzen, wollen wir endlich in den Pool, und so setzen wir uns in Bewegung. Was wir allerdings bis zum jetzigem Zeipunkt noch nicht wissen, war, dass die fehlenden Fahrgäste schon im Pool sitzen. Na prima.

Nachdem wir das erste Hotel falsch angefahren hatten geht es wieder zurück und es entsteht ein Stadtstau. Der eine Bus gönnt dem anderen nichts. Und bis die Araber sich einigen können und rückwärts fahren warten wir.
Noch eine Stunde weiter, stehen wir wieder im nächsten Stadtstau, kurz vor dem Hotel. Eine Hochzeitszeromonie mit Schüssen mitten auf der Strasse. Wir warten.

Endlich im Hotel wollen wir in den Pool, und jetzt fängt es erst einmal richtig an zu regnen. Es sei dem Boden ja gegönnt. Aber der Junge versteht auch nicht alles. wie auch, wir ja auch nicht.
Ein Superhotel, nur allzu schade, dass wir hier nur so kurz sein dürfen.
Morgens um 9 Uhr kommt der Bus uns abholen. Also schnell aufstehen, schnell frühstücken. Denn der Junge möchte noch für 10 Min in den Pool und dann …. warten wir auf den Bus.

Es geht wieder Richtung Norden. Gegen Mittag sollen wir da sein, um im Tophotel von Amman endlich mal wieder im Pool verweilen zu dürfen.
Ja, wenn, genau wenn wir nicht irgendwo im nirgendwo bei 40 Grad Hitze hätten warten müssen. Der Keilriemen ist gerissen. Kann ja passieren, muss aber nicht, aber bei uns schon. Der letzte Fußball liegt hinter irgendeinem Zaun - verschossen. Also beschäftigen wir uns so – irgendwie. Mit Eselreiten oder Steinchen werfen, oder warten. Bis der Ersatzbus kommt.

Am frühen Abend kommen wir an. Und bis wir dann unser Zimmer haben warten, wir mal wieder. Schließlich fehlt ja noch das Kinderbett. Doch erst einmal in den Pool – oh der Außenpool ist wegen Renovierung geschlossen und der Indoorpool ist eine Wellnessoase und für Kinder nicht geeignet. Schade eigentlich, nach zwei Stunden Wüstensteherrei.
Aber es gibt ja bald Abendessen.
Und schließlich müssen wir ja morgen wieder früh raus. Und zwar sehr früh. Wir fahren zu den heißen Quellen. Für den Jungen bedeutet das ein Badetag. Rein in den Bus und warten.

Nach gut einstündiger Fahrt, erreichen wir das erste Ziel, eine historische Städte mit Blick ins Jordantal. Nicht wirklich aufregend, dafür aber sehr interessant und. Heiß, Deshalb brechen wir auch die Führung ab und fahren weiter.
Und jetzt wird es noch heißer, denn schließlich will ja auch der Busfahrer verdienen. Deshalb sollten wir auch in Petra unser Geld gut beisammen halten, denn hier gibt es Wärmedecken oder besser orientalischer Kitsch zu exorbitanten Preisen mit deutscher Verkaufsleitung. Wahnsinn. Herzlich willkommen Herr Tourist hier bist du richtig und wir wollen nur dein Bestes – dein Geld …
So jetzt aber baden.

Bei der nächsten und letzten Station, werden wir vom Oberbürgermeister eines Flüchtlingslagers empfangen, und man unterhält uns mit Getränken und Speisen. Doch der Pool ist eher etwas für Hartgesottene. Über 40 Grad heißes Schwefelwasser. Gut für die Haut, und schlecht zum Spielen. Aber dafür dürfen wir hier alle Mitbringsel abgeben. Diese werden nun gesammelt um anschließend über den hohen Zaun geworfen zu werden, um von wilden Tieren – sorry ich meine Kindern dankend an sich gerissen zu werden. Eine erschreckende Szenerie für Spielsachen die wir gut 6000 km weit gebracht haben.

Mehr Worte verliere ich hierzu an dieser Stelle nicht.
Die Abfahrt eilt; denn schließlich ist heute Abend noch die Siegerehrung mit der Prinzessin und so hat es sogar diesmal der Busfahrer eilig – zu eilig, wie ein Polizist meint. Also warten wir bis er seine Strafe bezahlt hat.

Und diese Nacht war noch kürzer, eigentlich schade, bei so einem schönen Hotelzimmer. Erstens müssen wir auschecken, und dann haben wir viel vor – zu haben. Der Berg ruft – dort wo Moses das gelobte Land entdeckte, warten wir mal wieder auf die anderen – bei gefühlten 40 Grad. Irgendjemand kommt immer zu spät.

So, jetzt aber endlich zum Meer es wartet schon auf uns, auch wenn es tot ist. Alle freuen sich. Die Fahrt dauert, und jetzt rein ins Vergnügen. Für alle ein riesen Erlebnis bis auf für den Jung. Mit sechs Jahren ist das alles auch zu viel Salz hier.
Also wieder raus und dann in den Pool – echtes Urlaubsgefühl und der Junge ist ganz ausser sich. Und diesmal wartet der Bus und die anderen auf uns – und das ist unsere Rache und eine kleine Rechtfertigung für den Kleinen – wenn auch nur für 10 Minuten.
Wirklich schade. Hier war es echt schön, das Essen lecker der Pool super, und der Kleine glücklich.

Wie sollen wir ihm nur sagen, dass wir hier incl. Mittagessen nur 2 Std. Zeit haben. Weil wir dann nämlich wieder im Bus sitzen und unendlich lange durch die Wüste zur Käserei fahren, um die Auto abzugeben.
Wie oft wir uns verfahren haben weis keiner, ebenso nicht, wie viele unserer Autos wir am Straßenrand überholt haben. Nicht nur viele Rallyeautos liegen in den letzten Zügen auch wir.
Wir warten also auf alles und jeden und dann ab ins letzte Hotel am Flughafen, und spätestes jetzt wird uns allen klar. Dieser Urlaub war anders und eine echte Erfahrung und wir sind urlaubsreif.

Mein größter Respekt gebührt jedoch dem kleinen Tom. Der so wunderbar und zufrieden dies Reise mitgemacht hat. Leider war er das einzige Kind (was uns der Veranstalter wohl weißlich verschwiegen hatte), denn diese Reise ist für Kinder nicht geeignet. Das Land jedoch sehr. Eines der schönsten und kinderfreundlichsten Länder die ich je bereist habe.

Jordanien ist eine Reise wert …

In shala wir kommen wieder.

 
23/09 Montag 18.05


Amman - Mount Nebo - Totes Meer - Käserei

Der letzte volle Tag in Jordanien. Geplant ist eine Fahrt zum Mount Nebo, wo Moses das gelobte Land das erste Mal erblickt hat. Danach geht es zum toten Meer und von dort dann weiter zur Käserei, um die Autos zu übergeben. Klingt einfach, ist es auch, zumindest für normale Rallyeteilnehmer. Wir müssen natürlich wieder ein paar Challenges einbauen. Auf der Fahrt zum Mosesberg versuchen wir unsere Kinderspielsachen und das Carepaket an den Mann/Frau/Beduinen zu bringen. Eine Dorfschule erscheint uns da goldrichtig.

Also fallen wir mit deutschem Moderator, Teamchefin, zwei Kameraleuten und einem Fotografen über die Lehranstalt her. Die müssen erst einmal jemanden finden, der unser Anliegen übersetzen kann. Dann wird der Kofferaum leergeräumt und danach geht es zur Schuldirektorin. Dort wird es dann aber umständlich, denn die fängt an, unser Unterfangen zu hinterfragen. Misstrauisches Stück! Wenn bei uns ein Haufen Araber eine Schule überfallen und einen Haufen Klamotten abladen würde, wäre die Reaktion sicherlich wesentlich relaxter. Wenig hilfreich ist da auch, dass Bernhard die Problematik radikaler Islamisten an deutschen Schulen diskutieren möchte. Derweil zeigt Tobi dem technikaffinen Publikum die Fotos vom Vorabend. Zum Glück sind da auch welche von der Prinzessin mit dabei und so brauchen wir die Sachen dann doch nicht wieder mitnehmen.

Als nächstes geht es zum Mount Nebo. Von hier hat Moses, wie bereits erwähnt, das erste Mal das gelobte Land gesehen. Wir leider nicht! Es ist diesig und außer jede Menge Dies sehen wir nicht viel. Trotzdem tolle Landschaft und irgendwie auch ein erhebendes Gefühl (finde ich). Dann geht es weiter zum Toten Meer. Und mit jedem Meter den wir uns ranarbeiten, tauchen wir ein in die Wunderwelt der Extremtemperaturen. Unten angekommen, sind wir komplett weichgekocht. Das Bad in der Salzbrühe bringt da wenig Erleichterung, man fühlt sich eher wie mariniert.

einparkenDanach gibt es dann noch ein leckeres Mittagessen, zusammen mit gefühlten 30.000 Italienern. Gut gestärkt geht es zurück zu den Autos und im Pulk zur Käserei. Die Autos merken, dass der Abschied naht und wehren sich mit Händen und Füßen. Der Volvo bleibt mit kaputter Viscokupplung liegen. Das kennen wir doch irgendwo her. Und wer hilft? Klar, Jonas. Zu dem haben wir mittlerweile zwei Standleitungen gelegt. Mit der einen holen wir ihn zur Hilfe und mit der anderen schieben wir das Dankeschön-Bier rüber. Beim Mercedes dagegen himmelt die Kupplung. Auch kein Problem. Geschaltet wird einfach ohne solchen neumodischen SchnickSchnack. Und beim Anfahren hilft Team 51 und schiebt Stoßstange an Stoßstange. Damit machen sie das Vordrängeln am Hotelschalter in Aqaba wieder wett. Jungs, super nett von Euch.

Zum Schluss wird es noch emotional. Über gut 6.000 Kilometer sind uns unsere Boliden ans Herz gewachsen und wir können verstehen, dass sie sich zieren. Uns fällt der Abschied auch schwer. Wer kann, nimmt noch eine Devotionale mit und dann muss es schnell gehen. Schnell noch einen Baum gepflanzt und dann wartet der Bus.

Und danach die Leute im Bus. Der Busfahrer traut sich nicht loszufahren, weil immer noch Leute neben dem Bus stehen und die Leute im Bus steigen immer wieder aus, weil sie aus Langeweile eine rauchen wollen. So beißt sich die Katze in den Schwanz. Und anschauen kann man sich das Schauspiel über eine Stunde lang. Endlich am Hotel angekommen, bekommt jeder ein Zimmer. Die Betonung liegt auf jeder. Ein paar Beduinen schlüpfen auch mit durch. Bei der Abschlussfeier gibt es dann jede Menge Fleisch (und ich rede nicht von der Bauchtänzerin) und ebensoviel Alkohol. 18 Wahnsinnstage finden ihren gebührenden Abschluss.

 
22/09 Sonntag 17.05


StaubMaul auf Platz 4!!!

... wie alle anderen auch. Der Freudentaumel der gestrigen Siegesfeier hält an. Alle haben gewonnen. Die Autos wurden in der Wüste verabschiedet. Jetzt hämmern die Bässe. Der Tanzminister tanzt! Harry (noch) nicht. Alle weiteren Details folgen nach Beendigung der Feierlichkeiten....2017 vielleicht! Inshallah

 
21/09 Samstag 16.05

Amman

Schon am Abend machten Gerüchte die Runde, es gäbe nicht genug Plätze im Hotel in Amman. Folglich heckten unsere Übernachtungsstrategen den ausgefuchsten Plan aus, schon sehr früh das Hotel zu verlassen und somit vor allen anderen an der Rezeption zu stehen. Sollte der Hotelier aufwachen und seinen Arbeitsplatz betreten, würden wir bereits lächelnd am Tresen warten.

amman

Gesagt getan, um sieben Uhr gings los – fast. Der Mitarbeiter am Hebewerk der Parkplatzschranke hatte wohl nicht von unserem Plan gewusst oder war nicht richtig bestochen oder schlicht und einfach zu doof. Er wollte uns nicht fahren lasse. „Alle zusammen, Konvoi.“ Wir erklärten ihm dann, dass wir bereits ein „Verband von Schiffen oder Landfahrzeugen seien, auch bekannt als Geleitzug, Kolonne (Militär), Kolonnenfahrt, Kraftfahrzeugmarsch oder Autokorso.“ Das interessierte ihn aber nicht. Da stieg Renate aus, betrat das Schrankenwärterhäuschen, vier Uniformierte rannten aus Fenstern und Türen, Renate kam heraus und sagte „Wir können.“

Und wir konnten nicht nur, wir haben auch das Gelände verlassen und sind problemlos bis zur Hauptstadt durchgefahren. Leicht verstört beobachteten wir die 300 irgendwas km die in regelmäßigen Abständen parkenden Militärfahrzeuge mit aufgepflanztem Maschinengewehr. Sie waren zur Bewachung des „Davostreffens“ da. Wir waren froh, das Hotel ohne Zwischenfall erreicht zu haben, während Fritz dauernd aussteigen wollte, um sich bei der Jagd zu beteiligen, egal auf was.

In Amman selber ereilte uns wieder das herbstliche Gefühl unserer Reise, jedes Blatt, das einst am Baum gemeinsam hing, um die Pflanze zu ernähren, fiel seinen eigenen Weg zu Boden. Also der eine pennte, andere machten Sightseeing, wieder andere beides und ein dritter nicht mal das. Ein lockerer entspannter Tag.

Spät nachmittags gingen wir dann die ersten Schritte des schweren Weges des Abschiednehmens, die Autos wurden ausgeräumt. Die Erinnerungen und die gegenständlich gewordene Geschichte unserer Reise in Form von Sonnenbrillen, Salzstangenresten, verschollen geglaubte Ladegeräte und angebrochenen Klopapierrollen wurden aufgesammelt und in Tüten verpackt. Das Gepäck, was mit nach Hause gehen sollte, wurde uns von einem netten Mitarbeiter des Hotels auf einen kleine Transportwagen geladen. Leider stapelte er die Säcke und Kisten dergestallt, dass er nicht mehr durch die Tür zum Fahrstuhl kam. Aber Carsten hat ihm geholfen und sie haben das überladene Gefährt die Autoauffahrt hochgeschoben. Bei einer Tiefgaragenebene im sechsten Untergeschoss ein gewagtes Unterfangen.

Spät abends folgten dann noch die letzten Fanreisenden, denen als Einstiegsanimation die Visastelle des Flughafens einen bombastischen Empfang mit eineinhalbstündigem Rahmenprogramm geboten hat: stehen und auf einen Stempel warten.

Ein Abendessen im grossen Prunksaal beendete auch diesen Tag und alle waren gespannt auf den kommenden Abend, die Preisverleihung mit Prinzessin Bismah.

 
20/09 Freitag 15.05


Petra

petra

Dieser Tag ist aus Rallyesicht eher zu den unspektakulären zu zählen. Wir haben keine Strecke gemacht, wir haben keine Pannen gehabt, wir haben uns nicht verfahren. Oh, doch es gab etwas, dass hätte uns fast zur Katastrophe geführt, das hätte das Leben mehrerer Menschen beenden und die Wagen bis zur Unkenntlichkeit verändern können: Beim Tanken hat der Tankwart getropft. Und... sonst nix.

Wie man unschwer erkennen kann, hat das Touristenprogramm uns voll gepackt. Es geht von Aqaba, der einzigen Hafenstadt Jordaniens, die südlicher liegt als Kairo (!) nach Petra. Nicht nur eine Reise zu einem anderen Ort, sondern vor allem in eine andere Zeit. Vor Christigeburt wollten die Nabatäer Strandburgen aus Sand bauen. Ein paar Jahrhunderte haben sie sich umgesehen und festgestellt, verdammt hier ist kein Strand, hier ist ja noch nicht mal Meer. Kurzerhand haben sie ihrer Frustration freien Lauf gelassen und sich wild an den Felsen ausgetobt. Herrausgekommen sind unglaubliche Portale die die Zeit überdauern und uns auch heute noch in ihren Bann ziehen. Die einen behaupten es handele sich um alte Grabbauten, zu Ehren der Könige. Aber das sind wohl nur Hirngespinnste. Viel realistischer ist die Version des berühmten Archäologen I. Jones. Auch er konnte sich der Faszination nicht entziehen und suchte dort den heiligen Gral. Er fand ihn, von einem 1000 Jahre alten Kreuzritter bewacht.

Auch in unserem Team gab es ein Faszinationsgefälle: Die einen blieben 6 Stunden in der Gluthölle, die anderen haben bereits nach 1 ½ Stunden den Rückweg angetreten um vor dem Reisebus im Hotel zu sein. Somit folgte dem Faszinations- ein Müdigkeitsgefälle, da die Gluthöllenritter mit einer gewissen Kraftreservendifferenz in den Abend starteten. Nichtsdestotrotz gab es keine Korrelation zur finalen Schlafensgehzeit der einzelnen Personen. Aber genug der Beschreibung eines emotionalen Tages, der in einer romantischen, einem alten Dorf nachempfundenen Ferienanlage mit überdachtem Pool endete.

 
19/09 52 - ein Team



Man hätte diesen völlig sinnfreien Torbogen in der Landschaft auch weglassen können. Hat man aber nicht. Schließlich gibt es ja noch immer genügend Deppen, die sich gegen ein geringes "Entgeld" davor fotografieren lassen!

By the way: Wir sind ein Team und kommen an. Das Sitzfleisch wird platt gemacht. Das Essen ist unregelmäßig und der Stuhlgang ... Nun es gibt auch Themen, über die man schweigt. Aber alles andere ist öffentlich.
Jeder hat seine Aufgaben und obwohl der Grillmaster schon mehrfach nicht nur erwähnt sondern auch – zu recht – gelobt wurde, sind doch die übrigen Teilnehmer nicht minder erwähnenswert.

So zum Beispiel, ganz führend, unsere Tante Navi. Sie lenkt, leitet und beweist die Ruhe auch am Wegesrand. Ebenso besonnen zeigt sie äußerstes Geschick bei der Wahl der Strecken. Superp, oder gut abgeschmeckt zwischen Großstädten und landschaftlichen Reizen erleben wir das Salz in der Suppe.

Für jeden ist was dabei. Wenn einer nicht fährt, weil er nicht will oder nicht kann, kann er ja auch einfach mal ein kleines Nickerchen einlegen. Wie gesagt, wenn er nicht gerade fährt. Doch einer fährt immer und immer und immer. Gibt nie das Lenkrad aus der Hand, oder nur ungern außer nachts, wenn alles schläft. Doch einer ist dann am lautesten. Er schläft nicht, der muss arbeiten, die ganze Nacht – sägen …

Einer kann so nicht arbeiten – äh telefonieren. Ständig muss er informiert sein, über das, was zuhause ohne ihn los ist - und nicht nur zuhause.
Hat mal jemand eine Frage, kein Problem: Wikipedia offline beantwortet alles. Ob Bauten, Monumentales oder Stadtentwicklung - alles wird mit beantwortet oder wenigstens mit flinken Fingern gesucht. Manchmal heißt es: „Stop, Käsch!“ und damit ist nicht Bares gemeint. Hier gesucht heißt eben doch nicht gleich gefunden. Denn neben Straßen, Richtungen und Campinglätzen gilt es noch, sich möglichst überall zu verewigen bzw. Duft- oder Cachemarken zu hinterlassen.

Doch sind es bekanntlich sechs Sinne die uns bleiben. Neben Sehen und Hören gibt es auch viel zu lachen. Und zwar von jedem und über jeden, wobei einer ist ganz vorn – von Berufswegen schon.

Sollte mal jemand nicht hören, so sieht ihn doch zumindest einer. Denn damit was bleibt, nicht nur im Herzen und im Kopf, ist ständig die Linse präsent, extrem unauffällig und gekonnt, wie die Pointe an der richtigen Stelle.

Jeder Mensch hat seinen Platz im Leben und in der Gruppe. So wie der eine fährt und der andere folgt, mal flotter und mal gemütlich, je nachdem wer vorne ist. Denn vorn ist da wo wir sind: Team StaubMaul, Nummer 52; wie gesagt Fünf und Zwei (die irgendwie mitfahren).

Güle Güle

 
19/09 Mittwoch 13.05


Al Azraq - Wadi Rum

Nach einer Nacht im Beduinenzelt stehen wir am nächsten Morgen (teilweise) leicht verkatert und komplett gesandstrahlt auf, um in Richtung Wadi Rum zu fahren. Abends vorher hatten wir noch Kamerakind Michael, das Erdmännchen, verabschiedet. Seinen Platz haben Anne und Steffi eingenommen. Zwei gegen eins, kein schlechter Tausch. Da die sanitären Einrichtungen im Beduinencamp nicht wirklich für 350 Personen gedacht sind, verzichten wir auf die Morgentoilette und düsen direkt ab. Ohne Sprit aber mit ordentlich Wasser beladen geht es durch die Wüste zu den Sieben Säulen der Weisheit.

Schon beim ersten Tankstopp fangen die Probleme an. Carsten schaltet nicht mehr richtig - also der BMW. Egal, dann hat der Wagen jetzt eben Automatikgetriebe. Nur mit zwei Gängen schafft es der Bolide bis in den nächsten Ort, wo wir erst einmal Bares fassen müssen. Wenn man jetzt die Geheimzahl seiner Kreditkarte wüsste! Wir sehen uns schon schnorrend durch Jordanien reisen, als wir endlich entdecken, dass der Apparat auch EC-Karten frisst. Mit einem Gefühl wie Rockefeller geht es weiter durch die Wüste. Nach vier Stunden Fahrt empfängt uns die freundliche Reiseleitung im Wadi Rum.


Ein Traum für jeden Kleingärtner: Kein Unkraut!
Jordanien, 13.05.2009. Ein Inselparadies für Phantasiebegabte: Jetzt muss man sich Meer, Palmen und Caipirinha nur noch dazudenken!

Prompt bekommen wir einen Fahrer zugeteilt, was auch sehr nett ist, denn der alte Mann kann nicht mehr laufen und geht am Stock. Zudem hat er wohl Schmerzen und genehmigt sich zur Linderung eine Spaßzigarette nach der anderen. Seinen Fahrstil beeinträchtigt dies in keinster Weise. Sicher führt er uns zu einer Schlucht, in die wir einsteigen können und an deren Ende eine Wasserpfütze auf uns wartet. Welch ein geschichtsträchtiger Ort das ist, müssen wir uns selber denken, denn Nachhilfeunterricht gibt uns hier keiner. Wahrscheinlich hat Lawrence von Arabien sein müdes Haupt hier gekühlt, um danach im Handstreich Aqaba zu nehmen. Danach geht es noch völlig sinnentleert eine Düne hoch auf ein Hochplateau, um danach weichgekocht wieder ins Camp zurück zu fahren.

Allerdings haben sich unsere Autos jetzt vorgenommen, die Schrauber im Peleton auf die Probe zu stellen. Diesmal ist der Volvo dran. Er springt nicht mehr an und Carsten mutmasst, es ist das gleiche Problem wie in Deutschland vor der Abfahrt. Flugs wird der Wagen an den Mercedes gebunden und das waidwunde Stück ins Camp gezogen. Wie immer finden sich hier sofort mehrere Experten, die den Wagen komplett auseinander nehmen und an ihm herum McGyvern. In der nun folgenden Wartezeit verschenkt Bernhard Bergegurte an die hiesigen Busfahrer, die damit ihre Schüsseln aus dem Treibsand ziehen. Als die Schrauber letztlich an ihre Grenzen stoßen, zieht Carsten den Telefonjoker und ruft bei Uli Brühl an. Zum Glück ist es nur ein kaputter Volvo und keine Operation am offenen Herzen. Uli fällt eine sichere Ferndiagnose und hilft damit den Schraubern, unseren schwarzen Lastesel wieder auf die Beine zu stellen. Es wird einfach ein Kabel durchgeschnitten und nach der Bemerkung „irgendwas geht jetzt aber nicht mehr...“ arbeitet der Schiffsdiesel wieder. Wenn allerdings unsere Autos so weiter machen, bekommen wir ein Problem, denn wir haben nicht genug Geld dabei, um die Schrauber jedes Mal frei zu halten.

Nach dieser Glanzleistung hat sich das Team eine Komplettreinigung verdient und diesmal unterstützt von fünf Bussen mit Franzosen, geht es unter die Dusche. Leider hat der Beduine zum Abend hin vergessen, wo er den Hammel vergraben hat und somit müssen wir gefühlte fünfzehn Stunden auf unser Abendessen warten. Da wir uns die Wartezeit mit reichlich 4-Euro-Bier verkürzen, muss der Blogschreiber früh ins Zelt und der geneigte Leser muss auf weitere Informationen über den Abend erst einmal verzichten.

 
18/09 Dienstag 12.05


Aufstehen hatte heute mit Freiwilligkeit nichts mehr zu tun, die vom Organisationskomittee vorgebene damaskusianische Abfahrtszeit 8 Uhr konnten wir problemlos einhalten. Die Erfahrung, dass wir eh immer eine halbe Stunde länger brauchen, lehrte uns, den Start um 7.30 Uhr zu planen, also fuhren wir um 8.30 Uhr los. Na gut – so perfekt sind wir doch nicht.


Wir wissen nicht, was der hilfsbereite Polizist empfiehlt. Wir empfehlen beim Blick durch die geöffneten Wagenfenster der Rallye-Teilnehmer: Gasmasken!

Während Chris und Fritz uns zu 70 % erfolgreich durch den morgendlichen Berufsverkehr strickliselten, Bernhard die Stoßstange des Mercedes nicht aus den Augen verlor und Carsten verzweifelt versuchte, den Anschluss nicht zu verpassen, sortierten Tobi und Renate das Büro, legten Akten an und schnitten die Kanten von Quittungen rechtwinklig.
Wie kann man so einen Zettel auch mit 89° abreissen, unverschämt.
Nach einem kurzen Tankstop bei einem Darfurer aus dem Sudan - nein wir haben uns nicht verfahren, die arbeiten hier - ging es mit polizeilicher Hilfe direkt zur Grenze.

grenze"Diesmal ging es schneller", sagte Tobi, als er nach 2 1/2 Stunden Stempelsammeln zurückkam. Auf der anderen Seite erwartete uns ein Chaos: Hunderte Autos, noch mehr Fahrer und alle warteten auf die Rückgabe irgendwelcher Reisepässe, die man uns an der Grenze mit freundlichem Lächeln abgenommen hatte. Aber es gab ein Lichtschein im grauen Dunkeln, eine Blüte im tristen Fels, einen Tropfen Wasser in der kargen Wüste: Carsten, Chris und Tobi wurden von ihrem Fanclub freudig begrüßt. Mit großem Fanplakat gab es ein unglaubliches „Hallo“. Und die Szenen die sich abspielten, können hier zwar nicht beschrieben werden, aber auf einschlägigen Webseiten gibt es diverse Videos zu diesem Thema zur gefälligen Ansicht..

Der Weg durch Jordanien zur Wüstenprüfung verlief problemlos wie immer: Wir hatten keine Ahnung, fragten jemanden, der uns etwas erklärte was wir nicht verstanden, wir sind danke nickend losgefahren und irgendwie doch angekommen.

Schon von weitem war der Ort der Entscheidung zu sehen: Staubwolken hingen in der Luft. Bei uns würde man auf einen mittleren Waldbrand schließen, hier bedeutete es nur, daß bunte Autos versuchen, durch waghalsige Fahrmanöver ihre Kolorierung unkenntlich zu machen. Erfolgreich.


(Anm. des Webmeisters: Leute! Wenn ihr schon das Wasser dafür verwendet, um euren profanen Durst zu stillen, statt es in die Scheibenwaschanlage zu füllen, dann steigt wenigstens aus, um das Foto zu machen! Grummel...)

Zum Warmwerden fuhren wir ein paar Runden im Kreis. Carsten ist leider so cool, dass sein Warmwerden den Motor überhitzte und die Kühlung zerbarst. Der BMW weinte bittere Tränen aus der Motorhaube. Wir machten uns sofort daran. das Problem zu beheben, zogen Schellen nach, drehten Schrauben und füllten Kühlwasser nach. Alles sehr professionell. Zwei Jungs von einem anderen Team haben dann das Problem behoben. Sie haben Schellen nachgezogen, Schrauben gedreht und Kühlwasser nachgefüllt.

Dann kam die Prüfung: 1 ½ km in die Wüste, um einen geparkten und im Laufe des Tages von Automardern heimgesuchten BMW herum, wieder zurück und noch eine Acht um zwei Pylonen. Das sind diese Gummiverkehrsdingenshüte.

Irgendwie haben wir es geschafft. Wie genau ist schwer zu sagen. Während der BMW auf einmal ganz weit weg war, verschwand der Mercedes hinten in einer Wolke aus Staub, um dann kurze Zeit später vor dem Volvo wieder aufzutauchen. Das kennt man eigentlich nur von Fantasyspielen am Computer, wo man auch nie versteht, wie der Andere seinen blöden Merlin jetzt so schnell wieder dahin bekommen hat..
Irgendwann legte sich der Staub, und wir waren am Ziel angekommen. Wahrscheinlich haben wir auch eine Zeit eingefahren, aber der BMW weinte wieder. Bittere Tränen rannen in Staub. Und Carsten stand ganz traurig davor und sagte wehmütig: „Ich hab's noch knallen hören, geil!“.

Wieder reckten sich hilfreiche Hände in unsere Richtung. Kurz und gut: Wir sollten mit dem Wagen 60 km/h fahren, dann würde der Wind den Motor schon kühlen, gesagt getan, Carsten gab Gas und war weg. Wir hinterher mit – 40. Schneller geht eigentlich nicht., Aber wenn einem der Motor unter dem Hintern wegbrennt, hat man wahrscheinlich weniger Sensibilität für die Schmerzensschreie von Stoßdämpfern.

Mercedes und Volvo also immer der Staubwolke hinterher, nicht alleine, denn auch andere hatten sich der Taktik verschrieben: Hinterher, die wissen schon Bescheid. Plötzlich steht alles, der Staub legt sich und gibt gelbe Schilder frei: „Danger! Explosive area!“. Hier lagen Sprengstoffe oder Minen. Irgendwie war der blöde Motor nicht mehr unser Primärproblem.

Wir beschlossen umzukehren sei besser als zu explodieren und damit rückte der Motor in der Rangliste dringlicher Dinge wieder auf Platz eins.
Und hier schlägt die Stunde des „Jonas“, genaugenommen des Superjonas. Er wurde wahrscheinlich auf einem anderen Planeten geboren, der nur aus Motorblöcken und Kühlaggregaten besteht. Bei einem Unfall wurde er von seinen Eltern getrennt und auf die Erde geschleudert um uns Heil zukommen zu lassen.
Vielleicht ist er aber auch nur der verkannte Sohn von McGyver. Er hat die Kühlerverschalung abgeschraubt, sich einen Spanngurt genommen und die Antriebswelle der Ventilators mit diesem auf eine Art und Weise verknotet, die jedem Bondagebegeisterten den Neid ins Gesicht geschrieben hätten.

Dann wurden mehrere Liter Wasser aus der Dusche (!) des Wagens des Jonas von mehreren Seiten in das Kühlsystem gegossen, er flüsterte noch ein paar magische Formeln, warf Hühnerbeine in den Sand und rasselte mit Muscheln, dann ging der Wagen wieder.
Da es schon spät war, die Sonne bald weg und der Versuch, alleine durch die Wüste zu fahren den sicheren Tod bedeutet hätte, fuhren wir zurück und trafen in der einsamen Wüste auf etwa 40 andere Versprengte des grossen Treks gen Camp Asraq.


Es gibt auch einen zivlisierten Fußweg ins Camp. Der ist aber nix für Adrenalinjunkies.

Von der Polizei begleitet wurden wir zu unserer kleinen Zeltstadt geführt. Dort erwartete uns zum Abschied der Rallye ein kleines Rahmenprogramm. Ortsübliche Folklore. Ungefähr so schlimm wie in Oberstaufen, nur etwas erträglicher: wir haben die Texte nicht verstanden ...

 
17/09 Montag 11.05


Die Sonne fand ihren Weg durch die Säulen der antiken Stadt Palmyra. Die Strahlen streichelten unsere Zelte und lockten uns aus dem wohlverdienten ... Alles Quatsch: Es war auf einmal sauhell und wir sind aufgestanden.

Ein leckeres Frühstück, wie immer im Orient bestehend aus Brot, Marmelade und Butter, so wie ganz viele Sachen, die genauso aussehen wie die Speisen vom Abendessen, nur anders schmecken. Und wenn sie gleich schmecken, sehen sie anders aus.

Endlich schlug bzw, rief es neun Uhr. Wir haben ein wenig auf Kultur gemacht und den Baaltempel besichtigt. 15 Minuten später war der Cache gefunden und wir auf dem langen Weg nach Damaskus. Sehr faszinierend war das Schild „Iraq 150km“. Das Abenteuer liegt oft näher als man denkt.

iraq 150 km

Wir kamen gut voran, bis Renate sich etwa 43 km vor Damaskus kurzfristig entschied, die linke Route zu nehmen. Schade. Dort war Markt, aber nicht so ein schöner mit Eselskarren, Gewürzständen und Blumenkindern. Nein, hier versuchten mehrere Sattelschlepper von links und rechts gleichzeitig auf ein Gelände einzubiegen, um ihr Schüttgut los zu werden. Dieses versuchte bereits auf der Straße, den Laster in Form von Staubwolken zu verlassen. Diese auch aus rumänischer Sicht sicherlich fragwürdigen Abbiegemanöver ließen sich natürlich die kleineren Transportfahrzeuge nicht gefallen und umschifften den entstandenen Knoten auf völlig verschiedenen Wegen. Die nunmehr herausgeforderten Fahrer der Kleinwagen suchten sich, wahrscheinlich in Absprache, die verbliebenen Lücken und passten ich ergonomisch hinein. Und dann kamen wir, wollten mitspielen und warfen uns ins Getümmel. Die Strasse sah aus wie eine Schublade bestehend aus Mehrfachsteckdosen, Verlängerungs-, Netzwerk und nicht mehr benötigten Telefonkabeln - und wir da drin, wie die Kopfhörer vom MP3-Player.

Das Wort "Einbahnstraße" gibt es im arabischen Sprachraum nicht! Nicht mal in einer notdürftigen Umschreibung wie z.B: "Staubige, enge Gasse in der zwei Karren auf gar keinen Fall - ich betone: auf gar keinen Fall - aneinander vorbeipassen!" Solche Straßen heißen dort schlicht "Machma'bladsda" was grob übersetzt soviel heißt wie: "Meine Stoßstange ist aus gehärtetem Titanstahl".

Um auf sich aufmerksam zu machen, beschloss Fritz den hinteren Reifen platzen zu lassen. So pausierten wir und noch bevor Chris sämtliches Klopapier an die herumstehenden und verkrampft drein blickenden, ausruhenden Lastwagenfahrer verteilen konnte, hatten Carsten und Fritz den Reifen schon gewechselt. Nicht unerheblich beschleunigt, wurde das Verfahren durch die strategisch geschickt eingeworfene Bemerkung von Michael: „Kannst Du das überhaupt?“ So ein Spruch weckt Kräfte, für die ein Gewichtheber jahrelang Anabolika schlucken muss.

Endlich waren wir durch das Gewühl auf dem Weg nach Damaskus und dann durch Damaskus. Wir hatten Spass, die Autos fanden es doof und bekamen vor Frust Fieber. Ein Taxifahrer erbarmte sich und führte die Reisegruppe StaubMaul zu einem Hotel, dass wir aber nicht erreichten. Wir steuerten eine Herberge vorher an. Renate hat kurzer Hand „rechtsrum!“ gerufen und uns in einem anderen Hafen landen lassen. Soweit kommt es noch, dass jemand der jahrelang in Damaskus Taxi fährt, meint, sich besser auszukennen als Renate. Wie albern!

Kaum Zeit für Körperhygiene, von der wir eh nicht mehr genau wissen wie sie geschrieben wird, ging es sofort rein nach Damaskus, um noch diverse Aufgaben zu lösen: Foto vor einem Hamam, Foto vor Fotoladen, Fotos entwickeln lassen. Wir fanden den Hamam sehr schnell, da wir aber eine Übermacht an Männlichkeit in unserer Gruppe herumschleppten, der Reifenwechsel wirkte noch nach, wurden wir durch die Innenstadt von Damaskus zum Männerhaman geführt. Hier trennt man Männer und Frauen nicht durch eine Wand, auch nicht durch ein Gebäude, nein, durch einen Stadtteil. Sicher ist sicher.

toys r us
Toys'R'Us in Damaskus. Die gelegentlichen Ausraster des ansonsten friedfertigen Ladenbesitzers sind vermutlich auf die Weichmacher im PVC zurückzuführen...

Nach dem Foto mit Handtuch ging es zum Film entwickeln. Wir wurden direkt über sechs Umwege zu einem Fotogeschäft geführt Weil der Mann so nett war, durfte er uns zur Strafe noch die Nationalhymne aufschreiben. Politik fand er super. Und übersetze sie auch gleich: „König – Starker Mann – Hitler!“ .

Die Hymne scheint sich im Laufe der zwei Stunden zwischen Abgabe und Abholung verändert zu haben, denn er deutete uns an, als wir abschließend noch einmal den Laden stürmten, die alte Version zu zerreissen und seine neue zu nehmen. Haben wir allerdings erst später verstanden, zunächst dachten wir er schlüge uns vor, Renate zu schütteln und dann die Haare nach oben zu kämmen. Oder meinte er Hitler ...?

Am Abend trafen wir uns dann wieder alle im Hotel, und da es ja quasi unser letzter Abend der Rallye war, am nächsten Tag stand schließlich der Zieleinlauf an, gingen wir nochmal lecker einheimisch essen. Zum Italiener.

 
16/09 Mittwoch 13.05
Wir befinden uns mitten in der Wüste. Das World Wide Web ist hier nur zu zwei drittel vorhanden: viel World, noch mehr Wide aber gar kein Web!
 
15/09 Dienstag 12.05
Die Rallye ist beendet. Alle sind gut in Jordanien angekommen. Auch der BMW - zu 89 Prozent. Aber Carsten hatte Spaß und der Spanngurt im Motorblock hat's schön warm und treibt mit Freuden den Lüfter an. Leider hatten wir keinen zweiten Gurt, sonst hätten wir hier auch das Internet repariert. Also: später mehr ... Inshallah
 
14/09 Montag 11.05


Seit elf Tagen und gut 5000 Kilometern befinden wir uns auf unserem Weg gen Jordanien. Unsere treuesten Begleiter und unser wichtigstes Arbeitsmaterial sind dabei drei Autos, die wir noch so gerade eben vor ihrem Schicksal als Umweltprämie retten konnten. Mittlerweile sind die einzelnen Teammitglieder mit ihren Fahrzeugen fest verwachsen und der Abschied in Amman wird sicher schwer fallen. Doch bevor diese persönliche Beziehung zwischen Mensch und Maschine entstehen konnte, kämpfte sich die Task Force Auto durch alle Gebrauchtwagenbörsen im Internet, spulte hunderte von Testwagenkilometern ab und führte ellenlange Kaufgespräche, die dann doch alle für die Katz waren. Hier also die Geschichten zu unseren Boliden:

Wie bei jeder guten Arbeitsgruppe wurde erst einmal ein Konzept entwickelt. Unseres lautete: 3 Mercedes, alles Schaltwagen (wegen der Abschleppproblematik), alles Sechszylinder, Baureihe W 124 (Kombi) und W 126, ca. 180 PS mit der Dreilitermaschine. Klang eigentlich ganz durchdacht und fachmännisch, hielt der Rest der Truppe aber für Bullshit. Jetzt kamen die Extrawünsche. Der eine wollte einen Bulli, der andere einen Geländewagen und der Dritte ein Biolehrerauto. Zeitweilig hingen an der Pinwand auch amerikanische Trucks und Musclecars sowie Mercedes SLC aus den Siebzigern. Nur eins war klar, kein BMW, weil davon im letzten Jahr zu viele liegen geblieben waren. Den Suchauftrag etwas weiter gefasst, machten wir uns an die Arbeit.

Als einer der ersten Wagen, fuhr uns ein Mercedes 300 SE über die Füsse, der gar nicht soweit vom Büro parkte. Die anwesenden Teammitglieder wurden ins Auto gepackt und das Auto kurzerhand begutachtet. Fahrzeugbesitzer war Obelix’ großer Bruder, der sich aus dem Nagelstudio seiner Frau schälte. Aufgrund seiner Statur war der Fahrersitz ein wenig durchgesessen, aber ansonsten machte der Wagen einen guten Eindruck. Alle Anwesenden waren sich einig, der erste Rallyewagen war gefunden. Die Parameter stimmten (Baujahr, Preis) und nach einiger Bedenkzeit schlossen wir unseren ersten Kaufvertrag ab. Wir waren stolz wie Oskar und der Benz avancierte schnell zum liebsten Bürowagen. Die Wagen sollten vor der Rallye viel bewegt werden, damit eventuelle Macken noch zuhause behoben werden konnten. Kein Problem, so ein Klassewagen kann vielseitig eingesetzt werden und somit ging es zum Einkaufen oder auch schon mal zur Kinopremiere. Wie peinlich für die Anderen mit ihren A8, Siebenern oder Q7 und nur wir hatten eine S-Klasse. Travel in Style.

Beflügelt von diesem ersten Erfolg, waren wir guter Dinge, den Fuhrpark schnell zu komplettieren. Stattdessen aber schritten wir durch ein tiefes Tal des Jammerns, vollgestopft mit komplett geschweißten Nissan Terranos V6 und nicht TÜV abgenommener Bereifung. Schön waren auch die vielen abgerockten W 124er und ihre Händler, die die Fahrzeuge durchweg als unfallfrei und in gutem Zustand anpriesen. Schade nur, wenn einem die Schweißstellen im Motorraum anlachten und der Rost aus den Radkästen rieselte. Erstaunlich auch was beim TÜV alles durchgeht. Der Mann mit dem frisch abgenommenen 320er, ist seinem Schwager noch heute dankbar, dass er die gebrochenen Federbeine nicht bemerkt hat. Rückschläge gab es auch in Form eines Tip-top Mercedes, den ein netter Familienvater uns vor der Nase weg verkaufte.

volvoNach einem langen harten Winter kam endlich der zweite Bolide ins Spiel. Ein Architekt aus Bornheim wollte seinen geliebten Volvo 240 GL Kombi gegen einen Mercedes SL austauschen. Das war die Gelegenheit für die Task Force zuzuschlagen. Zum ersten Mal besuchten wir Bornheim nicht wegen des Spargels sondern um ein Auto zu begutachten. Wir standen vor einem Schätzchen. Der Wagen hatte eine schicke Farbe, gute gepolsterte Sitze mit nettem Bezug und jede Menge Zubehör. Zum technischen Zustand konnten wir nicht viel sagen, weil wir davon eigentlich keine Ahnung haben. Aber wir traten ganz wichtig gegen die Reifen, öffneten die Motorhaube und befummelten verschiedenste Aggregate, immer mit dem Ziel, unserem Gegenüber zu zeigen, uns haut man nicht übers Ohr. Egal, der Wagen gefiel uns, passte ins Portfolio und wir wurden uns schnell handelseinig. Während Carsten das reichhaltige Zubehör in Form von Dachgepäckträger, Ersatzreifen, Schwiegermutter, Alufelgen und einer Skibox (im Atlas-Gebirge soll es ein paar gute Abfahrten geben) einsammelte, reiste Fritz bis nach Bonn, da die Sparkasse Bornheim Beträge über 500 Euro nicht führte. Jetzt waren wir auch stolze Besitzer eines 12-fach bereiften Volvos. Und dazu noch jede Menge Krempel, der im Kofferraum lag. Auch dieser Wagen rockte und wurde zu Testzwecken kräftig bewegt.

Jetzt hatten wir unser dreiblättriges Kleeblatt schon fast komplett, als Chris vermeldete: “Der dritte Wagen kommt, wir haben einen Sponsor“. Es handelte sich um einen VW-Bulli, der in Berlin stand und einen neuen Motor verpasst bekam. Das war nun wirklich easy und einer Task Force eigentlich unwürdig. Aber so hatte Carsten endlich Zeit, sich ein Brautkleid zu kaufen. Wir bekamen wöchentlich ein Update vom Stand der Instandsetzungsarbeiten und zwei Wochen vor Rallyebeginn wurde der Wagen von Berlin überführt. Als der aber nach drei Tagen immer noch nicht vor der Tür stand, wurden wir ungeduldig. Nach einiger Recherche mussten wir erfahren, dass der Bulli eine Grätsche gemacht hatte und mit Getriebeschaden in Kassel lag (was macht der da?). Jetzt musste die Task Force zur Höchstform auflaufen. Wir zogen uns unsere schwarzen Superheldenkostüme an und inspizierten jeden Kombi in der Gegend. Dank der Abwrackprämie, war aber kaum noch Vernünftiges im Angebot. Einen schicken 300er Viermatic konnten wir nicht kaufen, weil noch die Decke vom Sohnemann drin lag und auch sonst gab der Markt nicht viel her. In unserer Verzweiflung mussten wir jetzt auf unseren Erzfeind, den Antichristen zurückgreifen: BMW. Davon waren jetzt viele im Angebot und Kamerakind Michael fand das eh gut, weil es den mit einem Megaschiebedach zum daraus Filmen gab.

bmw Am Freitag vor unserem letzten Treffen ging es auf Tour mit mehreren Adressen aus dem Internet und dem Vorsatz heute wird ein Auto gekauft. Der erste Wagen in Solingen sah sehr gepflegt aus, fuhr sich aber komisch. Der zweite in Düsseldorf sah noch besser aus, hatte besagtes Schiebedach, war aber tiefer gelegt. Außerdem erklärte uns der Händler für bescheuert, als er hörte, was wir vor hatten. Ein dritter war zu weit weg vom Schuss, also blieb nur noch einer in der Nähe von Wuppertal. Bei der Anreise merkten wir schon, der Wagen muss zumindest gute Bremsen haben. Mitten in den Serpentinen wartete ein roter 525i Touring mit Schiebedach und einem Satz Sommerreifen auf uns. Der Wagen fuhr sich wie eine Eins und selbst die durchgeknallte Katze vom Besitzer und lactosefreie Milch konnten uns vom Kauf nicht abhalten. Und das alles noch zu einem spottbilligen Preis. Wir konnten es nicht glauben. Voller Stolz präsentierten wir den Wagen bei der letzten Teambesprechung vor der Abreise.

Wir waren nun bester Dinge, denn wir hatten zwar knapp, aber pünktlich alles Material beisammen. Nur dumm, dass auf dem Weg zum Teamtreffen der Mercedes bockte und Carsten an der Tankstelle liegen blieb. Und der Volvo wurde beim Einparken von Fritz abgewürgt und konnte danach selbst von Renate nicht dazu überredet werden, wieder anzuspringen. War das eine Verschwörung, hatte Team 53 zugeschlagen? Flugs wurde der Volvo in die Fachwerkstatt von Uli Brühl verbracht, wo er dann mit Gebrauchtteilen aus Soest wieder hergestellt wurde. Danke Uli. Und der Mercedes landete bei der Niederlassung Köln, wo sich aber die Geschäftsführung nicht in der Lage sah, unsere Reparaturrechnung von 425 Euro zu sponsern. Wahrscheinlich hätte dafür eine Fortbildung mit Damenbegleitung ausfallen müssen. Zumindest zwei Werkstattleiter konnten uns weiterhelfen: Danke Herr Neuhausen und Herr Rast. Und wo wir eh schon dabei waren, zeigte sich BMW Bonn bereit, den 5er einmal komplett durchzuchecken. Dank an Herrn Spies und Herrn Arnold. Als wir jetzt alle Schäflein beisammen hatten, konnten die Wagen endlich beklebt und für die Rallye rausgeputzt werden. Pünktlich am Abend vor der Abfahrt und an Renates Geburtstag wurden die Wagen in Haan beladen.

So jetzt sind wir also kurz vor unserem Ziel und wir können schon mal ein kleines Resümee ziehen. Alle Fahrzeuge funktionieren bis hier her, obwohl wir beim Benz bereits bei der Teampräsentation die Katalysatorabdeckung abgerissen haben. Teilweise zeigen die Boliden sogar selbstheilende Kräfte. So neigte der Mercedes dazu, seit dem Start in Oberstaufen beim Anlassen direkt wieder auszugehen und es leuchtete ständig die Ölstandslampe trotz genügend Öl. Ab Rumänien wurde das Schauspiel unterstrichen mit ordentlich Qualm aus dem Motorraum. In Ankara hörte das aber auf einmal auf und seitdem schnurrt er wie ein Kätzchen. Beim Volvo funktionierte anfangs hinten links das Rücklicht nicht, aber auch das ist mittlerweile wieder hergestellt und alles ohne unser Dazutun. Und auch der Scheibenwischer hat sich selbst repariert. Und der BMW muckte mit dem für den Kameramann so wichtigen Schiebedach, kam dann aber auch zur Besinnung. Seine 346 Fehlermeldungen ignorieren wir dagegen einfach. Abschließend kann man sagen, der BMW ist das Leittier, immer vorne weg und Tempo machend. Der Mercedes ist das Loungecar mit seinen dicken Velourssesseln und am Berg viel zu langsam. Und der Volvo? Bepackt wie ein Lastesel mit einem Gestühl wie ein Kackstuhl, aber fährt wie Gift. Alles in allem ist es auf jeden Fall toll, mit so alten Kisten eine dermaßen lange Strecke zurück zu legen. Und mittlerweile glauben wir auch, die Autos mögen uns und das beruht auf Gegenseitigkeit. Wir haben in der letzten Woche mehr Zeit in den Autos verbracht, als im Monat zuvor mit Frau, Freundin, Ehemann oder Geliebten.

Eine Kleinigkeit vielleicht noch: Seit der Türkei funktionieren bei allen drei Autos die Radios nicht mehr. Egal welche Station wir einstellen, die Musik leiert wie die Kassetten, die Carsten gern im Benz abspielt (ich sag nur Gabriel Burns „Angst aus Eis“). Zum Glück versorgt uns der Volvo mit seiner ipod-Funkstation immer mit den neuesten Songs von Nightwish, Camelot oder Helloween. Frage: Kommen die Grundlagen zur psychologischen Kriegsführung der Genfer Konvention eigentlich auch bei Zivilisten zur Anwendung?

Kleine Anekdote zum Schluss: Als Tobi am Abfahrtstag Chris mit dem Volvo in Köln abholte, sprach ihn ein Mann an und sagte: „Hey, das ist mein altes Auto“. Tobi dachte „der Schwätzer“, ließ sich aber trotzdem eine Visitenkarte aufdrängen. Es war ein Architekt aus Bornheim ...
 
13/09 Sonntag 10.05


Idleb-Palmyra

syrien
Irgendwo in Syrien - 10.05.2009 - 15:09 Uhr. Während man bei der Formel 1 teure Schikanen installiert, um die Geschwindigkeit der Fahrzeuge zu verringern, müssen bei der Rallye Oberstaufen-Amman enge Dorfstraßen, Holzkettenverkäufer und spielende Kinder herhalten. Skandalös!

Heute steht uns kein ereignisreicher Tag bevor. Es soll von Idleb nach Palmyra gehen. Keine große Strecke, ein paar Shortcuts und ansonsten 200 Kilometer schnurgerade durch die Wüste. Vor allem verblüfft uns dabei Renates Orientierungssinn. Sie dirigiert uns mit schlafwandlerischer Sicherheit durch orientalische Städte, als hätte sie ihre Kindheit dort verbracht. Carsten ist ganz beeindruckt, denn eigentlich ist er ja jedes zweite Wochenende hier. Ansonsten fällt uns nur auf, dass beim Straßenverkehr in Syrien die Wahnsinnsskala noch ein wenig nach oben getrieben wird. Eine recht flexible Auslegung der StVO erlaubt es z.B., dass zweispurige Straßen auch sechsspurig genutzt werden können und das in jede Richtung, egal auf welcher Seite. Gerne bringen auch achtjährige Jungen den Papi mit dem Moped zur Arbeit. Papi auf dem Sozius versteht sich. Was soll der Hobel auch die ganze Zeit auf der Arbeit stehen. Minimale Mitnahmekapazität bei den Zweirädern ist zwei Personen, wird aber selten genutzt. Üblich sind mindestens drei Personen, natürlich ohne Helm. Alles Surfer, die den Californian Dream leben. Familienausflüge werden auch auf dem Motorrad gemacht. Sohnemann sitzt auf dem Tank, dann kommt der Chef am Lenkrad und hinten sitzt Frau Mutter mit einem Bündel Kind im Arm. Im Reitersitz. Vielleicht geht’s aber auch zur Demo, denn einer ist immer vermummt.

syrien
10. Mai 2009 - 09:18 Uhr / Das, was der freundliche Syrer Bernhard da ins Gesicht hält, ist eindeutig eine geschälte Gurke. Egal. Bernhard spricht in alles rein, was man ihm ins Gesicht hält. Diesmal die einzigen arabischen Worte, die er beherrscht: "Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah!"

Während eines kurzen Tankstopps, bei dem Renate mit dem Tankwart erst einmal Geld wechseln fährt, nimmt Bernhard mit der Landbevölkerung Kontakt auf. Die freuen sich über den Mann aus dem Westen und dem dazugehörigen Kameramann. Man posiert für das Familienalbum und zum Dank gibt es kleine Geschenke. Gurken, Früchte und wenn er Bock hat auch etwas Kraut für die Spaßzigarette. Wir lehnen dankend ab, weil wir keine Kordelseife dabei haben – Grundvoraussetzung für den Besuch eines syrischen Knasts.

syrien
Syrien - 10.05.2009 - 12:42 Uhr. Obwohl die symphatischen Beduinen nicht mal die geringsten Anstalten machen, Kamele für Renate zu bieten, ist die Stimmung recht gelöst!

Auf einem einsamen Feldweg stößt Renate dann doch an ihre Grenzen. In the middle of nowhere weiß keiner mehr weiter. Aus dem Nichts erscheint auf einmal ein Taxi. Sofort wird nach dem Weg gefragt und kurzerhand unterbricht der Scheich samt Harem seinen Betriebsausflug und steigt zu Renate ins Auto. Der Taximann fährt vor. Jetzt geht es weiter und zwar im Tiefflug. Unter Ignorierung jeglicher Geschwindigkeitsbeschränkungen fliegt unser Schlaglochsuchgeschwader in Richtung Hauptstraße. Als wir die erreichen, wird noch schnell ein Foto gemacht und dann danken wir Allah, dass noch alle Achsen heil sind.

Ab jetzt geht es flott weiter. Die Strecke führt durch die Wüste, ist schnurgerade und erlaubt Höchstgeschwindigkeiten. Wir lassen uns nicht zweimal bitten. Allerdings gibt es ein paar ganz tückische Senken, die schwer an den Durchflug in der Eau Rouge in Spa erinnern. Hallo Michael Schumacher, wir wissen jetzt wie sich 7G anfühlen. Kurze Zeit später kommen wir in Palmyra an. Jetzt bricht das totale Chaos aus. Zum ersten Mal ist sich das Team nicht einig und wird bei der Entscheidungsfindung immer wieder von Einheimischen unterbrochen, die einem irgendetwas verkaufen wollen, derweil die Kinder am betteln sind. Vielleicht will man uns aber auch nur die Kinder verkaufen. Wir lehnen dankend ab, da die meisten von uns schon versorgt sind. Einziger Lichtblick ist da ein Fußballexperte, der bei einem Blick auf die Kofferraumhaube des Benz konstatiert, dass Werder und Barca demnächst im Supercup spielen. Guter Mann. Nachdem wir unsere Aufgabe gelöst haben, Bernhard ein paar Interviews gegeben hat und Carsten dafür gesorgt hat, dass ein diebisches Syrerkind ordentlich welche hinter die Löffel kriegt, können wir endlich unsere Zelte aufstellen. Übrigens mitten in der antiken Tempelanlage. An diesem außergewöhnlichen Zeltplatz schrecken Tobi nicht einmal Schlangen und Skorpione, obwohl letztere Carsten fast umrennen. Den Abend lassen wir bei Warsteiner, Resthuhn aus der Türkei und einem ordentlichen Sandsturm ausklingen. Nach einer Woche Alkoholgewöhnung knallt aber deutsches Bier nicht mehr so richtig. Kurzerhand ziehen wir in die Hotelbar um und laben uns am original türkischen Bier mit dem Namen Tuborg. Wer will darf auch an der Blubberpfeife ziehen. Mann, was sind wir orientalisch. Zum Schluss gucken wir noch zu, wie unseren Nachbarn der Wohnmobilvorbau wegfliegt und legen uns dann in die versandeten Zelte, mit der Gewissheit, endlich mal einen entspannten Tag erlebt zu haben.

 
12/09 Samstag 09.05


Abends hatten wir noch die Befürchtung, neben einer Art Zeitbombe zu
nächtigen: in der, an die geräumige 4-Bett Suite angeschlossenen Sanitärlandschaft, wurde das Warmwasser offensichtlich durch einen eigenen, riesigen Gasbehälter erhitzt. Der Zustand des Gefäßes erweckte mehr Assoziationen an eine zünftige Explosion, als an ein TÜV-geprüftes Sicherheitsbehältnis.

Heute morgen dann die beruhigende Erfahrung: Das Teil war so alt wie es aussah und vollkommen leer. Die entspannte Erleichterung wich augenblicklich der explosiven Ernüchterung in Form eines Schwalls eiskalten Wassers. Mit wachem Geist und kalten Fingern ging es zum Frühstücksraum, in dem der Motorsportbegeisterte Hotelier uns zu Ehren im Fernsehen Programme zeigte, in denen Motorradfahrer mit einem Hang zu suizidaler Selbstbefriedigung mit ihren Helmkameras Geschwindigkeiten von über 300 km auf öffentlichen Autobahnen filmten.
Die entstandenen Massen an Adrenalin am frühen Morgen galt es nun bei einer Shoppingrunde über den örtlichen Boulevard wieder abzubauen.

Renate musste ihren Bestand an Schreibheften für das mobile BMW-Büro wieder auffüllen, andere bezogen örtliche Handwerker in die Erledigung einer Sonderaufgabe ein und Carsten hat mit seinem Metzger-Kumpel Sükülem unser zukünftiges Grillhuhn gewürzt.

Carsten meint, er lasse alle seine Hühner bei Sükülem in eine frech-fruchtig-feurige Panade balsamieren, wenn er in der Gegend sei. Da dies nicht die einzige schlecht belegbare und abstruse Behauptung vom ihm ist, denken wir darüber nach, bei der nächsten Tour ein Dauer-EKG als Lügendetektor zu modifizieren und ihn dauerhaft damit zu verkabeln. Die Vorfreude auf die erlesene Grillspezialität vom Meister zubereitet versüßen wir uns dann mit sechseinhalb Stunden Warterei an der syrischen Grenze.

Zwischenzeitlich war unsere größte Befürchtung, nicht in das Land einreisen zu dürfen, da die freien Blätter in unseren Reisepässen bereits allesamt mit einem Potpourri unterschiedlichster Stempel versehen war und nun erstmal ein Ersatzdokument aus Deutschland besorgt werden müsse. Jeder Stempel wird selbstverständlich an einem anderen Schalter, mit einer eigenen Warteschlange und eigenen Regeln (mit kleinen Geschenken .....) in das Dokument geschlagen.

Freundliche OK-Mitglieder und bereits (bei teilweise 19 Stunden Wartezeit ein dehnbarer Begriff) abgefertigte Teilnehmer sind den "Neuen" da behilflich. Nach 5 Stunden sind wir glücklicherweise an Schalter 8 angelangt und ziemlich entspannt. Da alle Rallyeteilnehmer über diesen Grenzübergang müssen, gleicht der Grenzbereich vor der Schranke mehr einem Ferienlager für Erwachsene in komisch kolorierten Karren. Es werden die verschiedensten Konzepte entwickelt, die Wartezeit zu überbrücken. Vor allem die Beifahrer werden kreativ, da ihre Aufgabe maßgeblich aus dem Warten auf ihre wartenden Fahrer besteht.

Es werden Tische aufgebaut, Kaffeemaschinen, Campingkocher und Großbildleinwände installiert. Andere spielen Fußball zwischen den Fahrzeugen oder suchen im Duty-Free Shop nach Anklebschnurbärten als Zeichen der Völkerverständigung. Davon wird ihnen allgemein abgeraten. Als eine Gruppe Bayern in Lederhosen einen Football quer durch die Schalterhalle pöhlt und dabei um haaresbreite die Teetässchen einiger Beamter verfehlen, droht die Stimmung zu kippen. Sie versprachen sich gesitteter zu verhalten und beschlossen, sich einfach still in die Sonne zu setzen und das restliche Weizenbier zu vernichten, bevor es die Temperatur des Kühlwassers übersteigt. Komasaufen gehört aber vermutlich ebenfalls nicht zu den typisch arabischen Tugenden. Wir haben die Jungs jetzt seit ein paar Stunden nicht mehr gesehen...

Unser Kameramann Michael nutzt die Zeit, das Filmverbot mit immer kreativeren Manövern zu umgehen und ist kurz davor am Schalter nach frischen Speicherkarten zu fragen. Renate und Fritz sind bei den Prügeleien um die besten Plätze mit Aussicht auf die Bemühungen der Beamten immer ganz vorne dabei. Als wir gegen Abend dann die letzte Schranke passieren und dafür keine Stempel bekommen sind wir etwas verwirrt, aber sehr entspannt.

Das kann auch nicht schaden, wenn man sich entschließt, in Syrien bei Dunkelheit Auto zu fahren. Wenn sich ein langsam bewegendes Motorrad auf der Schnellstraße während des Überholvorgangs plötzlich als rechtes Rücklicht eines ausgewachsenen Mähdreschers entpuppt ist das eher unentspannt.

 
11/09 Freitag 08.05 (2.Teil)


Syrien hat seit zwei Jahren Internet. Aber das hat denen niemand gesagt. Neue Infos folgen, sobald das Team "Staubmaul" wieder eine zivilisierte, aber nicht gesicherte W-Lan-Verbindung findet!

... gefunden!

kappadokien
Das was unsere Helden hier wie einen majestätischen Gipfel anmuten lassen möchten, ist in Wirklichkeit nur eine unbedeutende Bodenwelle der zentralanatolischen Ebene.
Den Fake erkannt man sofort: Es gibt ja nicht mal ein Gipfelkreuz!


Gestern hieß es noch später mehr, jetzt ist später, also mehr: Ziel der heutigen Fahrt war es, eine knifflige Zwischenaufgabe in Göreme zu erledigen und dann soweit die Räder rollen Richtung syrischer Grenze zu gelangen. Die Fahrt verlief wie meist, ohne weitere nennenswerte
Ereignisse: Der Blick stundenlang auf die Heckklappe des Vordermanns.
Schließt man die Augen, wird klar, dass sich das Bild auf die Netzhaut eingebrannt hat.

Das was sich verändert, ist die Landschaft, eine kargere Vegetation. Man merkt jetzt endgültig, wir sind in einer anderen Klimazone. Es erinnerte ans südlichste Italien, wenn nicht regelmässig wie unser Glockenschlag der Muezin per MP3-File seine Stimme erheben würde. Aber wir haben uns dran gewöhnt und können beides schon nicht mehr voneinander unterscheiden.

Wir fuhren zwei Stunden über südtürkische Landstrassen. Fast wie von Psychologen geschickt geplant, wird man in Sicherheit gewogen, erhöht die Geschwindigkeit, Fahrspaß kommt auf, dann auf einmal ein Hubbel, die Geschwindigkeit sinkt, die Sicherheit ist weg. aber der Fahrspaß bleibt.

Es folgt ein Stück schlecht reparierten Belages. Vorgewarnt wird man durch die zunehmende Anzahl von Schlaglöchern, so dass die Stoßdämpfer wie Geigerzähler das nahende Hindernis durch dichter werdende Schläge unüberhörbar und vor allem unüberspürbar ankündigen. Unser Führungsfahrzeug fand den Weg mal wieder problemlos. Die Spürnase auf dem Beifahrersitz hatte wie immer den Finger auf der Karte. Die Kuppe ist schon ganz glatt poliert vom Nachziehen der Strecke, teilweise schon verfärbt aufgrund der roten und gelben Linien.

kappadokien - göremeSo erreichte wir Kappadokien das "Land der schönen Pferde".
Aber den einzigen Pferdeschwanz den wir sahen, war der von unserem Kamaramann, der verzweifelt versucht seine Kurzhaarfrisur als Heavy Metal Mähne zu stylen. Hier suchten und fanden wir die "Feenkamine". Der Boden, vulkanischen Ursprungs, erfährt aufgrund der geringen Niederschlagsmenge nur eine sehr langsame Erosion. Härteres Gestein bleibt länger erhalten und es bilden sich die markanten Kamine, in frühe Christen Wohnungen schlugen in dem sie... Oh Mann, Chris fährt den Volvo, das ganze also besser in Kurzform:




Vulkan: BUMM!
Regen: SPÜHL!
Christen: HÄMMER!
Touristen: Ohhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh!

Hier mussten wir erst ein Hotel finden, das von einem Kessenicher (!) Ethnologen geführt wurde. Dieser gab uns als nächste Aufgabe, zu einer versteckten Kirche zu gelangen. Auch die war schnell gefunden. Für Cacherinsider: ein 0/3er Schwierigkeit. Schade für das Team, die erst VOR uns waren, und lange NACH uns zurückkehrten. Schöne Grüße von uns, der Begriff "versteckt" ist kein Zufall. Und so wurde aus dem Team "Dünen-Hünen / Oasen Hasen" das Team "Fluchen-Suchen / Gehen statt Sehen". Schönen Gruß an Team 53, denen es genauso erging. Dafür können sie besser "Saufen statt laufen".

Weiter ging es Richtung Adana. Die spezielle Herausforderung war es diesmal, Michael ans Steuer zu lassen. Während er beim Filmen diverse Einstellungen vornehmen kann, was ihm ein Gefühl von Geschäftigkeit vermittelt, konnte er hier im Volvo nur fahren. Er kompensierte seine Unterforderung mit abenteuerlichen Fahrmanövern, die er wahrscheinlich in der Kalahariwüste gelernt und in den Slums von Kalkutta verfeinert hat.

Tobi sagte, er fand es auch toll. Ob er weiß, dass er nachts immer geschrien hat: "Langsam!" "ein Auto!" "ein Abgrund!"?

Noch kurz getankt, dann sind wir in Ceyhan angekommen. Das "Otel Ceylan" (Das "C" hat unten noch so einen Wurmfortsatz, der wahrscheinlich wie bei uns evolutionär übrig geblieben, aber dann doch nicht mehr wichtig ist) hatte für uns noch ein Dreier- und ein Viererzimmer übrig, in dem eines der Betten zur Familie der Doppelschlafstätten gehörte. Die Bettaufteilung war schnell geregelt. Viel schwieriger war die Entscheidung, ob man seine Füsse in die bereitgestellten Badelatschen stecken sollte oder lieber barfuß auf dem mit Teppich belegten Boden absetzen sollte. Wo lebten mehr Lebewesen, die man bei uns schon lange für ausgestorben hält?

Vor der Nachtruhe haben wir noch eine Kleinigkeit zu uns genommen. Dabei klärten wir die Frage, was "Kebab" wirklich heißt. "Kalbsfleisch", was Carsten natürlich gemeint hatte als er "Brot" sagte. Und wir probierten, wie der Raki schmeckt, was Tobi mit "ja" beantwortete. Aber sein Gesicht sagte das Gegenteil, wahrscheinlich wollte er einfach nur vergessen.

Später, die Ersten waren bereits gegangen, eroberte die verbleibende Einheit unserer Mannschaft noch die Nationalhymne der Türkei. Sie zeigten dem ahnungslosen aber immer lächelndem Keller Bilder der türkischen Flagge, dann stand Carsten auf, legte die Hand auf die Brust und begann zu singen. Da verstand der Kellner:"Ahhh: Football"

Tobi zauberte daraufhin mit flinken, wenn auch Raki gehemmten Fingern den Text des Liedes auf den Laptop, dann verstand der Mann und schrieb den "Unabhängigkeitsmarsch" auf einen Zettel. Stolz präsentierten unsere Helden das Ergebnis. Bernhard erzählte dann, dass der Kellner ihm erklärt hätte, er sei Kurde und fragte, ob das dann für ihn wohl ein Freund gewesen sei, mit der Hymne und so.

Mit der bitteren Erkenntnis, dass dem armen Kellner jetzt die Finger abfallen würden und er aus seiner Familie verstossen wird, schliefen alle friedlich ein ...

 
10/09 Freitag 08.05.


(Tr) Kirikale - Kirikale - 0,0 km

Der Tag begann wie alle anderen: Morgens. Wir hatten am Vortag beschlossen, den gequälten Körpern ein wenig Entspannung zu gönnen. Somit war normales Frühstück und Abfahrt Ortszeit 9.00 Uhr geplant. Am Abend vorher hatte ich bereits vorgesorgt und im Gegensatz zu meinen sämtlichen, ich betone „sämtlichen“ Mitfahreren als einziger, ich betone als „einziger“, meine schmutzige Wäsche zum Reinigen abgegeben. Wenn ich als Kind eines von Mama gelernt habe: Immer eine saubere Unterhose an,. Man weiß nie was kommt. Später habe ich den Satz meinem Alter angepasst: Man weiß nie, WER kommt.

volleyballteam
Ja, Bernhard: Auch beim Volleyball kommt es auf die Größe an!

Das Frühstück teilten wir uns mit drei türkischen Volleyballmannschaften die irgendwo in der Nähe ein Turnier austrugen. Danach ging es los. Zimmer räumen, Taschen packen, Autos beladen. Ich ging kurz zurück um meine Wäsche zu holen. Auf mein nettes „I want my clothes back. I gave them to the man yesterday for washing.“ und einem Lächeln, das mir fast den Kopf nach hinten fallen lies, bekam ich die Antwort „Clothes? Room? Yes“. Dann fing der Mann hinter dem Tresen wieder an zu schreiben.

Ich wurde langsam etwas ernster, pustete mich auf, stützte die Arme auf Holz und sagte „I want my clothes, from you“ und kopierte einen weißhaarigen Mann, der mit Hut auf der anderen Seite des Atlantiks Menschen zum Militärdienst anwirbt.

Ich erreichte mein Ziel, ein Mitarbeiter wurde in den Keller geschickt - und kam nicht mehr wieder. Er war einfach weg, für immer. Oder der Kollege ist unten wieder raus und hinten rum ins Hotel zurückgekehrt, nur um mich milde zu stimmen. Ich wartete so 20 Minuten. Dann nahm ich meine Jacke und hielt sie vor das Gesicht des Verantwortlichen, rieb sie in der Hand und rief „Clean! Clean! Clean!“. Da schaute er auf, lächelte und sagte „Ahhhhhhhhhh“. Und verschwand - im Keller.

Etwas später kam jemand aus dem Keller. Aus dem Mann war eine Frau geworden. Ich schwor mir, niemals in diesen Keller zu gehen. Die Person hatte meine Kleidung in der Hand. Ich freute mich schon und rannte auf sie zu, doch leider verschwand sie – im Büro. Wieder keiner da. Dann kam der Mann aus dem Keller zurück. Ich hängte mich an seine Hose, ließ mich zum Büro schleifen, und da erbarmte er sich und gab mir alles. Zwar nass aber sauber. Im Gegensatz zu den Klamotten der Anderen, ich betone im „Gegensatz!“

Draussen warteten bereits der Rest des Teams. Sie hatten die Autos schon in Formation geparkt und sich postiert. Wir wollten mal wieder ein Gruppenfoto machen.

team ahnungslos
Guter Bildauschnitt ...

Im Hintergrund die weitausladende Ebene an der sich ein Bergrücken anschließt. Wir stellten uns auf und schossen etwa 616 Fotos, digital macht Spaß, jeweils mit mehreren Kameras. Dann rannte Tobi ins Hotel zurück, um die Bilder „schnell“ nach Deutschland zu schicken. Er war ganz schön lange weg. Kein Wunder, bei einer Internetverbindung, so langsam, wie man sie nicht mal im Thüringer Wald findet.

Aber wir mussten nicht lange warten, denn es kam Besuch. Eine Polizeistreife hielt oberhalb des Parkplatzes. Und musterte uns. Wir mutmaßten zuerst, dass das ein oder andere Fahrmanöver in Ankara etwas größere Wellen geschlagen hatte, dann dachten wir nur, dass sich die lustigen Polizisten, ganz Männer, natürlich nur mal unsere coolen Karren anschauen wollten. Über PS plaudern und Lackdichten vergleichen.

Und schon fuhren sie zu uns herunter und öffneten die Seitenscheibe. Dass wir aus Deutschland kamen, nahmen sie uns sofort ab, wahrscheinlich hat die halbe Verwandschaft bei Opel Autos zusammengeschraubt und ist jetzt wieder zurück und erzählt tolle Sachen über "sichere" Arbeitsplätze. Dass wir nach Jordanien fuhren, lies sie dann aber wieder daran zweifeln, dass wir noch alle Tassen im Schrank hatten. Zum Glück kam unsere Bibliothekarin angerannt und schwang schon den vom Organisationskomitee ins Türkische übersetzte „Permit“ mit Infos zu unserer Rally in der Hand und gab diese dem Polizisten. Der las das und telefonierte mit ... irgendwem. Dann las er weiter und telefonierte nochmal. Dabei lachte er. Wahrscheinlich war es sauschlecht übersetzt.

Dann stieg er aus. Sagte: „Foto?“ wir freuten uns und zückten die Kameras, stellten uns neben ihm auf, lächelten und hielten unsere Daumen hoch. Er aber schüttelte den Kopf, zeigte auf unseren toll ausgesuchten Hintergrund uns sagte nochmal „Foto!“
Wir drehten uns um, sahen, dass wir leider nicht nur die Ebene und nicht nur den Bergrücken sondern auch eine Raffinerie fotografiert hatten. Ich weiß nicht genau WER Fotografiert hat, aber ich muss ihn in Schutz nehmen: 20 weiße, riesengroße, Öltanks fallen bei soviel grüner Wiese aber auch gar nicht auf.

Leider zählen in der Türkei Raffinerien zu „sensiblen Gebieten“ und wir hätten das nicht fotografieren dürfen. Wir stellten uns dumm, nur der Fotograf Michael schaute leicht überrascht ins Display seiner Digicam und murmelte: „das hab ich gar nicht gesehen...“ vor sich hin.


... gaaaaanz schlechter Bildauschnitt !!!

Der Polizist deutete „warte!“ an und ging ins Hotel. Er kam mit dem in der zwischenzeit fertigen und jetzt auch leicht verstörten Tobi zurück. Dahinter ein lächelnder Hotelmitarbeiter, der mit der Wäsche ... der zur Frau geworden war.

Er erklärte uns, alles kein Problem, wir hätten nur das Falsche fotografiert und die Streife wäre auch gleich wieder weg. Sie warten nur noch auf eine Einheit der Militärpolizei. Die wäre zuständig. Leicht verspannt, betonten wir wie super das. .. und auch gar nicht ... jaja, alles kein Problem.
Während wir warteten redet wir recht wenig. Uns fielen nur Themen ein wie "verhaften", "Waterboarding" und "unter welchen Bedingungen stellt das Auswärtige Amt eigentlich Rechtsbeistand?"


Die schöneren Autoaufkleber hat aber definitiv das Team "Staubmaul"

Dann kam das Militärfahrzeug. Ein Jeep, mit zwei Mann vorne drin. Ein Offizier und sein Adjutant. Er parkte, stieg aus, da folgten ihm aus der Heckklappe zwei schwer bewaffnete Soldaten. Die bauten sich sofort an strategisch wichtigen Punkten auf. Dann folgte eine Stunde ständiges Reden, Zeichnen und Pantomime. Activity ist ein Dreck dagegen.

Letztendlich nahm er nur eine Kopie der Ausweise mit. Schaute sich die Bilder an und ließ sich jedes Detail unserer Wagen erklären. Als kleines Präsent überreichten wir ihm eine von unseren Münzen.
Dann fragten wir ihn doch noch, ob er nicht ein Foto mit uns machen könnte. Er lehnte ab, das ginge nicht, Uniform, Ärger, Vorgesetzte. Dann schickte er seine Jungs hinter den Jeep und stellte sich in Position. Wir machten artig Shake-Hands und lächelten.

Kirikkale. 10 Uhr. Wolken. Das lächeln sitzt

Der Uniformierte, der Tobi zum Hotelcomputer begleitete, um das Foto für den Herrn Hauptmarschall direkt auszudrucken, zog ihn überraschend hinter den Wagen und die drei anderen liessen sich auch noch mal fotografieren.

Leicht zerzaust kam Tobi wieder hervor und bei einer Runde Tee, die der Major uns auf Kosten des Hotels ausgab, plauderten wir uns noch gegenseitig Nettigkeiten zu, die natürlich beide Seiten jeweils nicht verstanden.

Dann ging es endlich weiter nach Göreme und zur Aufgabe des Tages. Aber davon später mehr.
 
9/09 Mittwoch 06.05. - Donnerstag 07.05.


Istanbul – Ankara – Kirikkale (ganz viele Kilometer)

Den gestrigen Abend wollten wir bei einer einheimischen Speise und einer weltweit bekannten Getränkeart ausklingen lassen, die prickelnd die Kehle hinabrinnt, bei der sich Schaumbläschen an der Oberfläche bilden und für Frische sorgt. Aber es gab keine Cola, so gab's halt Bier und den Versuch, einem türkischen Kellner „Apfelsaftschorle“ zu erklären. Erfolglos. Wir haben das dann selbst gemixt.

Verdient hatten wir uns Speis und Trank, denn kurz vorher hatten wir unsere erste Istanbulaufgabe gelöst: eine Frage zur Stadtbahn beantworten und am Basar aussteigen und ein Foto machen. Das erste war noch einfach, wir haben einen Jeton gekauft und wussten, wir brauchen einen Jeton. Ich sag ja, war einfach. Das Foto war schon schwieriger. Eigentlich hatten wir gedacht, wir steigen aus, hocken uns hin und dann macht Michael, unser professioneller Fachmann für Imbildfesthaltung, schnell das Foto, bevor die Bahn weiterfährt. Völlig unterschätzt hatten wir allerdings die Attraktivität des „Großen Bazars“.

Wir hatten uns strategisch geschickt, schon in der geplanten Choreografie (alberne Gesichter, zwei hocken am Boden, Arme irgendwo an die Seite geparkt) in Vorbereitung an die Tür gestellt. Kaum hielt die Bahn, kaum sprangen wir raus, kaum sollte das Foto geschossen werden, trampelten gefühlt sämtliche 17Mio Einwohner der Stadt über uns drüber. Was auf dem Foto zu sehen sein wird, wissen wir erst, wenn wir die gestellte Einwegkamera in Damaskus(!) in einem Fotoladen (!) haben entwickeln lassen. Nein, das ist kein Scherz, das ist nicht bescheuert, das ist auch nicht total hirnverbrannt. Nein, das ist eine der Aufgaben. So was denken die sich im Allgäu aus, wenn die Sonne untergeht und mal wieder der Strom fehlt. Und der fehlt dort scheinbar oft, sehr sehr oft.

Aber danach zurück ins Hotel, gegessen, getrunken, geschlafen, aufgewacht. 6 Menschen in einem Raum, einer schnarcht immer, und niemand will es dann gewesen sein. Am nächsten Morgen holten wir unser Gepäck und gingen zu den Wagen auf einem nahe gelegenen bewachten Parkplatz. Diesen konnten wir auch am Abend vorher schon einmal besuchen und zu den Wagen gehen, ohne dass sich einer dafür interessierte.

Die uns erwartende Aufgabe war folgende „Finde dich ab 7h an der Hafenmauer (es gibt da wohl nur eine) ein und fahre von dort vor die Blaue Moschee und mache von allen mit Autos ein Foto“ - klingt einfach, ist es aber nicht. Das ist so, wie wenn man in Köln vom Schokoladenmuseum aus vor den Dom fahren soll. Zur Hauptverkehrszeit: aber ohne Ampeln, ohne zweispurige Straßen und vor allem mit türkischen Autofahrern. Soviel sei vorweg gesagt: Tobi hat geflucht wie noch nie, sich konzentriert und zusammengenommen, trotzdem war der Volvo nachher plötzlich allein in Istanbul. Hups.

Die drei Spuren aus der Stadt heraus hatten wir gut unter Kontrolle, aber die acht Spuren in die Stadt rein gar nicht. So was ist gegen jede verkehrswissenschaftliche Erkenntnis, aber das wollte schon über Funk keiner von mir erklärt bekommen. Wir sind sämtliche Spuren mehrmals gefahren, bis wir endlich auf der richtigen Seite an der richtigen Stelle waren. Ein kurzes Hallo, ein Stempel, eine Zeit und auf auf auf ging es zur Moschee. Dort hatten die Organisatoren einen Heidenspass (Heidenspass, wie passend für uns Christen vor der Moschee) daran, die Innenstadt von Istanbul dadurch völlig zu blockieren, indem sie, durch ihre Aufgabenstellung, 160 Autos in einer engen Einbahnstraße nacheinander zum Halten zwangen. Endlich konnten sich die Deutschen Touristen mal über Deutsche auf der Straße ärgern.

Die Autos haben wir einfach auf der Straße stehen lassen, sind dann schnell auf irgendeine Bank gesprungen, das Foto gemacht und weiter. Diesmal auf die Fähre wieder mit der Hafenmauerstrategie, hin und her und Tobi flucht. Endlich auf dem Schiff, hatten wir einen Moment der Ruhe und genossen das sich langsam, verabschiedende Europa und harrten erwartungsvoll des asiatischen Kontinents, im Hintergrund das laute Geplapper irgendwelcher Berliner. Man fühlt sich wie zu Hause in Berlin Kreuzberg.

Von hier ging es direkt weiter nach Ankara, die vierspurige Landstraße unterscheidet sich von der parallel laufenden Autobahn nur durch die Schlaglöcher, die wohl einfach von der oben entlangführenden Autobahn herunter geworfen werden und uns dann im Weg lagen.
Unterwegs gut gehalten und „Hähne geschlachtet“ (s.u.) und grüssen hiermit herzlich das Team „Dirndl Power“, die mit Campingstühlen und Kaffee auf die Zukunft warteten.

Ab hier wurde es auch kommunikativer. Da es kaum noch Streckenalternativen gab, trafen wir auf immer mehr andere Teams. Besonderen Gruß an das Team Speed Mint. Da ward ihr wohl was schnell in die Tankstelle eingefahren, Gute Heimfahrt, wir bringen Euch dann den Auspuff mit zurück... Aber Eure Bonbons sind saulecker.

In Ankara stand die Aufgabe an, auf der 17. Stufe von oben des Atatürk Mausoleums ein Foto mit uns zu machen. In Ankara fahren wohl genauso viele Autos wie in Istanbul, allerdings auf viel weniger Straßen. Aber die Strategie "keinen-Platz-zwischen-mir-und-dem-Vordermann" hat funktioniert. Das prominenteste Opfer war ein Taxifahrer, der es nicht geschafft hat, zwischen Volvo und Mercedes zu gelangen, und danach sogar noch hinter einem Bus einscheren musste. Als er uns überholte, kam es zum weiteren Kontakt. Wir schauten uns an. Stille. Alle Autos standen, man hörte nur das Grillenzirpen und – er hob den Daumen, lächelte mir zu und weiter ging's. Jetzt war ich einer von ihnen. Und diesmal hatte Tobi nicht geflucht, sondern einfach nur Angst.

Die Autos geparkt, gingen wir zum Mausoleum. Da der Schock: Das Denkmal macht um 16.30 zu, es war 16:45. Verdammt - alles zu spät. Da gingen wir entschlossen auf den jungen Wachmann zu, redeten auf ihn ein und drückten ihm die Kamera ins Gesicht. Dabei riefen wir immer
„German Television, German Television, German Television!“. Ängstlich wich er zurück und telefonierte hektisch, mit seinem Kollegen, seinem Chef, oder seiner Mama. Egal. Wir durften rein, spurteten hoch, fotografierten und gingen wieder. Geschafft. Nie wieder werden Deutsche SO dringlich den Staatsgründer besuchen wollen.



Auf in die Autos und zurück auf die Piste, nah an den Vordermann und Tobi wieder in Angst. Jetzt ging's , so weit die Füsse tragen. Zumindest gilt das für unseren Kameramann, der oft neben den Autos her rennt. In der Stadt ist das ok, die 200 km gen Südosten haben ihm da schon mehr abverlangt.
Wir suchten in Kirikkale eine Bleibe und zwei Polizisten verwiesen uns auf ein Hotel in der Nähe der Universität. Wir fuhren zur Uni und haben erst mal gelernt. Und zwar, dass das Hotel geschlossen ist. Aber dann kam unser persönlicher Held des heutigen Tages. Der Direktor, der Präsident, der Dekan der Uni.

uni kirikkale
Helden unter sich. 07. Mai 2009 - 18:29 Uhr

Ja, der Titel wechselte regelmässig und besorgte uns ein Hotel in der Nähe, das er mit türkischer Leichtigkeit auf unser finanzielles Limit,10 € pro Nacht und pro Person, herunter handelte.

Sehr guter Tipp, warum aber das Frühstück pro Person 96 € kostet, bleibt uns ein Rätsel.

 
8/09 Dienstag 05.05 - Mittwoch 06.05.


Nachdem wir die Diskusion abgeschlossen hatten, ob das warme Sauerländer Bier ein echtes Pils sei, wobei sich nur der aus dem gleichen Ort wie das Bier stammende Techniker zu einer positiven Antwort hinreissen ließ, verkrochen wir uns unter unsere adrett aufgespannten Stoffhüllen.

Am nächsten Morgen, wir hatten es beinahe wieder geschafft, unsere fünf Stunden Ruhepause einzuhalten, ging es weiter. Also rein in die Autos und los. Aber Stopp - wir hatten ja noch eine Aufgabe zu erledigen. Dem seit Anfang der Tour uns ständig begleitendem Flachwurzler (Olea europea) gilt es an späterer Stelle der Tour ein Denkmal zu setzen, welches ihn zweifelsohne als den "Staubmaulbaum" erkennen lässt - mit anderen Worten, wir brauchten Holz. Daher entschied sich der BMW kurzfristig, eine andere Richtung einzuschlagen als die anderen beiden Boliden. Also direkt nach der Campingplatzausfahrt rechts rum und Halt an einem Ziegengehege, dessen Erbauer sich den Wahlspruch - werde eins mit deinem Projekt - offensichtlich nur undeutlich hinter die Ohren geschrieben hat. Nachdem Renate und Carsten den mit diversen Tierexkrementen aufgestockten Haufen Holz nach geeignetem Werkstoff durchsucht hatten und auch fündig wurden, kam der Eigner des Haufens und bot ihnen freundlich an, doch seinen ganzen Müll mitzunehmen. Wir lehnten dankend ab, d.h. Renate lehnte dies freundlich ab. Carsten aber begrüßte den freundlichen Herren mehrfach mit einem "guten Tag" zum Abschied, was vielleicht auch erklärt, warum er die beiden nicht gehen lassen wollte.

Später aber, hatten sie es geschafft und gaben dem netten bulgarischen Gehegebauern kniggekonform die Hand. Renate:"Hast du das gemerkt, der hatte nur vier Finger?" Darauf Carsten:"Bei mir hatte er noch fünf, gib ihm den wieder." Gesagt, getan und es ging weiter Richtung Griechenland um noch einen zusätzlichen Länderpunkt einzusacken und zusätzliches Material für das Baumidentifikationsschild zu erwerben. Dieses Vorhaben lies sich anfangs auch relativ gut an. Wir überquerten, wie geplant, die Grenze von Bulgarien nach Griechenland bei Svilengrad und fuhren in das malerische Dörfchen Didinithon. Genauso hatten wir uns Griechenland immer vorgestellt und ganz Griechenland würde bestimmt genau so, oder so ähnlich aussehen.

Deshalb erkundigten wir uns auch direkt nach dem nächsten Grenzübergang in die Türkei, nur um zu erfahren, dass es diesen hier nicht mehr gibt oder nie gegeben hat oder nie geben wird oder so (unser Griechisch hat in den letzten Jahren Jahren enorm nachgelassen). Um dieses Problem würden wir uns später kümmern, wir hatten ja noch andere Dinge zu erledigen. Fritz und Carsten gingen einkaufen, Renate, Tobi und Bernhard ginge Cachen (ohne GPS natürlich) und Chris ging aufs Klo - das erste Mal seit vier Tagen.

Da kann sich einiges ansammeln und dementsprechend erleichtert stieß er später wieder zur Gruppe. Die Wahl der griechischen Örtlichkeit war eine weise Entscheidung, aber darüber später mehr. Nachdem für die Entscheidung, wo denn jetzt der nächste Kaffee getrunken werden sollte, kaum mehr als ein halbe Stunde verging, machten wir uns nach einem belebenden Heißgetränk auf zum nächsten Baumarkt. Na gut, das Einfensterzimmer mit offensichtlich Landestypischer Auswahl an Werkzeugen und -stoffen erschloss sich dem geneigten deutschen Heimwerker nicht auf Anhieb als Baumarkt. Nachdem wir ein für diese Region übliches Tauschgeschäft abschlossen (ein Staubmaul-Geocoin gegen die Entleihung eines Akku-Schraubers für zwei Löcher und zwei Schrauben) begaben wir uns an ein und derselben Stelle an die nächste von der Rallyeorganisation vorgeschriebene Aufgabe - die Nationalhymne.

Wir waren guter Dinge, da zwischenzeitlich eine ältere Frau den Laden betreten hatte, welche uns freundlich mit "Grüß Gott" begrüße. Sodann begann Renate, ebenfalls in perfektem Deutsch, unser Rallyeschicksal vorzutragen. Die ältere Dame zeigte sich sehr interessiert und als es an der Zeit war, die Frage nach nach der Hymne zu stellen, damit sie uns die selbige aufschreiben könnte, kam eine nette, für uns aber wenig hilfreiche Auskunft:"Hymne, ja,ja ...schön, ja, ja, Hymne sehr schön" - Danke. Um trotzdem weiter zu kommen, erkundigten wir uns dann nach dem schnellsten Weg zum nächsten Touristenbüro. Darauf hin erklärte man uns, dass die Touristenbüros noch nicht hier seien. Die Touristenbüros kommen erst im Sommer, so ab Anfang Juli. Jetzt sei es noch zu kalt für die Touristenbüros und leider haben sie im Jahr nicht so viele Touristenbüros wie andere "Städte" - hätten sie aber gerne, es sei hier ja schließlich auch schön! - Stimmt und nochmals vielen Dank!

Die Hymne bekamen wir dann von der netten Servicekraft aus der "Café Bar Monroe`s". Da der Grenzübergang ja kurzfristig aufgrund von überhauptnicht-Frequentierung eingemottet und auf dem Dachboden zur späteren Verwendung trocken gelagert wurde, traten wir den neu ausbaldoverten Weg zur Türkischen Grenze an und der ging, ungünstiger Weise, erstmal 20km zurück auf der gleichen Straße in die Richtung aus der wir gekommen waren. Rallyefahren ist halt Auslegungssache!Dann kam die Grenze und damit auch die Frage auf, ob der EU-Anwärter-Staat wirklich wollte, dass wir in ihm herumfahren.

Denn nach einer Fahrt durch eine schönen Allee aus Stacheldraht folgten diverse grimmig drein schauende, waffentechnisch hoch gerüstete Wehrdienstleistende, die uns zügig mit all unseren Papieren an den Grenzschalter schickten. Das schafften auch alle, bis auf Tobi, der seine grüne Versicherungskarte im bis oben hin vollgemülltem Beifahrerraum "verlegt" hatte. Dieses Problem löste er aber auf souveräne Art und Weise, indem er mit seiner selbstgebauten Nasenklammer aus Gewebeband einmal durch den Fußraum des Volvos tauchte und den grünen Schatz auch fand - Respekt! Kontrolliert wurden unsere Papiere dann von gar nicht mal so netten, sich präventiv mit Mundschutz und Gummihandschuhen vor der Schweine-Grippe schützenden Zöllnern.

Nachdem einer von uns seine Angst von türkischen Männergefängnissen überwunden hatte, danke Fritz, bekamen wir auch noch den notwendigen Rallyestempel und reisten ein. An der nächsten Tanke mussten wir den durch Angstschweiß verursachten Flüssigkeitsverlust wieder ausgleichen, ein paar Staubmäuler hatten auch den ein oder anderen Toilettengang vor sich. Tobi (schon auf Rückweg vom Schacht) zu Carsten: "Warste schon drauf?". Carsten:"Ne, wieso?". Tobi:"Wirste schon sehen!". Auf dem Klo wurde die Ahnung dann Gewissheit; wir hatten den Sitztoilettenäquator überschritten. Ab jetzt musste der Hahn im stehen geschlachten werden! Also Hose runter, Augen zu und durch, oder besser doch Augen auf, weil ... na ist ja auch egal. Verletzt hat sich niemand - bis jetzt. Zumindest nicht beim Klogang, aber bei der Campingplatz Recherche.

In den Vororten von Istanbul angekommen, machten wir uns an die Arbeit. Einer zum Bäcker, einer zum Parkplatzwärter, einer zu den Parkwärten, einer durch ein nicht gesichertes Netz ins Internet, einer an die Landkarte und einer ans Handy. Letztgenannte Aufgabe kam Bernhard zu. Plötzlich und völlig unerwartet rannte er los. Der Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung hatte ihm wohl einen Tipp gegeben. Sein Laufweg führte über einen kleinen Kreisverkehr, auf dem einzelne Parzellen mit einer an je zwei Betonfeilern befestigten Eisenkette abgeteilt waren. Nahm er die erste Hürde noch in Gazellenartiger Manier, wurde er an der Zweiten jäh gebremst. Der an einem Bordsteinköpper mit doppelter Schraube erinnernden Sprung, würde jedem Turmspringer alle Ehre machen. Diese ästhetisch durchaus reizvolle Darbietung bereitete dem Protagonisten aber mindestens genau so viele Schmerzen, wie er Punkte in der B-Note dafür bekommen hätte. Nach dieser Glanzleistung entschloss sich das Team, das Angebot des netten Parkplatzwächters, die Zelte zwischen Bahnline und Schnellstraße unter der Einflugschneise des Istanbul Flughafens aufzuschlagen, abzulehnen und entschloss sich für ein kuscheliges Sechsbettzimmer in der Istanbuler Innenstadt, welches Chris telefonisch auf den regelkonformen Preis von 10 € pro Person runterhandeln konnte.

So, nun aber los und schnell ab ins Hotel. Als wenn das so einfach wäre, denn genau für Leute die so denken wir, hat Allah wohl Istanbul erfunden. Hier, wo jedes Navi seine Schaltkreise einzeln auskotzen würde, hat er uns mit 'ner Straßenkarte hingestellt. Nachdem wir durch hunderte kleine Gassen geirrt waren, die alle gefühlt schmaler waren als jedes einzelne unserer Autos -und das mit Gegenverkehr- haben wir noch mal schnell das Handtelefon angeschmissen und im Hotel nach Hilfe ersucht. Die sollte dann auch kommen und zwar im Form eines mopetfahrenden Hotelmitarbeiters, welcher uns schnell und sicher zu unserem Schlafgemach geleiten sollte. Mit diesen Aussichten konnten wir leben. Also täuschten wir bei allen drei Autos einen plötzlichen Motorschaden vor, damit wir uns nicht mehr von der Stelle bewegen mussten.

Kurze Zeit später kam der bereifte Kollege und setze uns in unserem Sechsbettzimmer ab. Gute Stimmung und Bierdurst machte sich breit, aber so viel Vergnügen sollte uns nicht vergönnt sein, denn es galt noch eine weitere Sonderaufgabe zu lösen. Dazu später mehr - hab jetzt keinen Bock mehr, beim Schreiben im Benz in Ankara, ständig von rechts nach links und von vorne nach hinten geschleudert zu werden. Ich hab Durst - tschüss!!!

   
7/09 Dienstag 05.05.


Ruse - Biser: 280
Giurgiu (Ro) - (Bg) Ruse - (hier gehen uns die grossen Orte aus) - Degelec - Schlaglochstrecke- Gurkovo - Atomkraftwerk - Biser


Stau - bmaul

Wir haben die rumänischen Straßen fast hinter uns gelassen, als unserer hochprofessionellen Buchhalterin bei der Durchsicht des mehrbändigen Aufagbenwerkes eine kleine, noch offenen Herrausforderung fand: Der Baum, der zur Zeit noch unter täglich frisch genässtem Zeitungspapier im Kofferraum der brennenden Sonne ausgesetzt ist, soll vor der Käserei in Jordanien gepflanzt werden. Die hinzukommende Aufgabe war das erstellen eines Schildes auf dem der Teamname des Baumes steht. Ja, er ist ein Teil von uns und darf sogar mit abstimmen. Bisher hat der Feigling sich allerdings jedesmal enthalten. Wahrscheinlich ist er sauer, weil er Nachts immer alleine draussen stehen muss.

Nun kamen wir an einem ortsüblichen Baumarkt vorbei, in dessen Produktpalette neben drei anderen Produkten (Nägel, Handschuhe und was Unbekanntes) auch Stiele von Schaufeln zu finden waren. Um den nötigen Kreditkartenbetrag zu erlangen, haben wir noch das einzige "Ding" erworben, dessen Gebrauch uns erst auf Rumenglisch erklärt wurde. Irgendwas zum Putzen, entweder Wand oder sauber machen, keine Ahnung.

Dann ging es weiter, unterstützt von einem Ortsansässigen "Typen", der uns netterweise zur Grenze führte, bzw. IN den Terminal für LKW-Frachtgut. Nach 12334 U-Turns, 17 Kehren, einer Mautstation und einem ortodoxen Geistlichen, der irgendwie an der Straße stand und uns noch schnell im Vorbeifahren segnete, ging es über die Brücke, direkt nach Bulgarien.

Im Schatten einer 13 Stöckigen Bauruine, genossen wir das spontane Mittagessen auf der Motorhaube. Bestehend aus Wurst, Käse, Brot und Heringshappen. Ja, jeden Tag Fisch, das ist gesund. Jeder Gedanke daran, dass uns was fehlte, wurde von den traurigen Blicken zweier Straßenhunde begleitet und machte uns deutlich, dass es einem auch sehr viel schlechter gehen kann.

Dann sind wir hinein nach Ruse, um den rumänischen Statistikpunkt fürs Cachen (info:www.geocaching.de) abzustauben. Zum Glück gab es einen Zahlendreher (an dieser Stelle besteht Tobi darauf, dass ich den Namen nenne, der daran Schuld ist: TOBI!), so dass wir in irgendeiner Straße stehen geblieben sind, und noch bevor wir daran denken konnten weiter zu fahren, hatten Renate, Carsten und Michael, einen armen einsamen Mann, der einfach nur seine Ruhe haben wollte in ein Gespräch verwickelt. Kurze Zeit später sassen wir an seinem Tisch, haben ihn von der Arbeit abgehalten, seinen Kaffee weggetrunken und die ganze Familie samt Sohn, Tochter und Ehefrau in die Recherchearbeit zur Erlangung der rumänischen Hymne samt Übersetzung eingebunden.
Weitere Informationen über den Mann, der uns auch noch den Rest seines Lebens, seine Einstellung zur Wirtschaft und die Geschichte der Nationalhymne erklärte, kann man demnächst in Wikipedia finden unter dem Stichwort "manninrusedersehrnettwarundunswirklich-supergeholfenhatvielendank"

Der strömende Regen und das Auseinanderbrechen der geplanten Fahrzeugformation lies uns die Cachesuche abbrechen und wir sind direkt den Tagesplan gefolgt, Bulgarien zu durchqueren und dann in Griechenland zu nächtigen. Bei der Gelegenheit hätten wir noch einen Länderpunkt für die Endwertung einsammeln können.

Doch dem Plan wurde ein jähes Ende gesetzt. Renate fragte noch per Funk: "Habt ihr auch dieses Schild gesehen? Irgendwelche Buchstaben und dann so ein "Durchfahrt Verboten" Schild?" Was natürlich mit einem "Ach egal!" auf allen Frequenzen beantwortet wurde. Zack, standen wir vor einer Schranke. Baustelle. Alles zu. Aber ein Hilfsbereiter Mann trat an unsere Seite und bot uns an für "tuten Öro" die "sri Maschines" durch zulassen. Straße "is ok, is ok, no probläm".

gesagt, gezahlt, getan.

Und auf dieser Strecke haben wir uns den Namen Staubmaul verdient! Wenn der Straßenbelag entfernt, das Kiesbett abgetragen und das Ganze mit einer Feinstaubschicht überzogen wurde, damit man die heimtückisch verstecken Löcher nicht sieht, läuft das normalerweise nicht unter "is ok".

Aber wir vermuten, dass es sich eh nur um eine Touristenatraktion handelt, damit die Deutschen für 20€ mal was machen können, wofür sie zu Hause von den Bauarbeitern einen Spaten ins Heckfenster geworfen bekommen hätten.

Der Rest war einfach: Dem einen Schlagloch ausweichen, dem anderen auch, ins dritte rein. Aber es hat Spass gemacht und als wir dann um 20.00h den kleinen und wohl gemütlichsten Campingplatz, noch in Bulgarien, erreicht hatten, waren wir alle zufrieden, vor allem, nachdem die wichtigsten Fragen mit "Ja" beantwortet waren:
Grillen erlaubt?
Heisse Dusche?
WLan?

 
NACHTRAG 6/09 Montag, 04.05 - Dienstag 05.05.09


Strecke Lipova-Deva-Sebes-Sibiu-Fagaras-Brasov

So eine Audienz beim Bürgermeister kann ganz schön lange dauern und bringt damit den Tagesablauf ordentlich durcheinander. Aber auf der anschließenden Fahrt durch die Vorkarpaten können wir ja Zeit aufholen. Wenn uns nur nicht immer die 30-Tonner überholen würden. Unseren Tagesplan ganz zunichte macht dann ein Stau hinter Sebes. Rumänische Baustellenlogistik harmoniert nicht mit deutschem Vorwärtsdrang, gibt uns aber den Blick frei auf die neonfarbenen rumänischen Straßenschönheiten. Heimatgefühle an die Brühler- Landstraße kommen auf.

Bei einem kurzen Geocache-Halt (www.geocaching.de) wird die Marschroute geändert. Wir fahren jetzt doch in Richtung Bukarest und müssen auch eine Nachtfahrt in Kauf nehmen. Dabei wird die Frage beantwortet, warum es keine guten rumänischen Formel-1-Fahrer gibt: Ambitionierte junge Rumänen werden nicht alt. Die Meisterleistung war ein Überholvorgang an einer 500m langen Verkehrsinsel ohne Ausweichmöglichkeit und das bei Dunkelheit. Da entlockte uns der Kleinlaster mit seinem Ausscheren trotz Gegenverkehrs nur ein müdes Lächeln. Carsten wollte eh die Bremsen testen.

Hunger trägt auch zur Sozialhygiene bei. Das Machtwort vom darbenden Kameramann wurde mit 10 Hamburgern ausgekontert. Ein anschließender Einkauf im Kaufland beschert uns allen eine Stulle und wir haben jetzt auch mal Obst im Auto. Zwar hält „Grillmaster Flash“ dies für überflüssig („Bananen kann man nicht grillen“) hilft uns aber über den Tag.(Nachbemerkung: beim Vorlesen in der Gruppe, kam es zu grossen Protesten des Grillmasters, der sich Sorgen um seinen Ruf in der Grillcommunity macht. Ja, die gibt’s, der Arme)

Unser Übernachtungsziel heißt Brasov. Bei Kilometerstein 160 findet Renate den lauschigen kleinen Campingplatz „Dîrste“, der uns für ein Trinkgeld von 35 Lei p.P. aufnimmt. Hier können wir uns auch wieder dem eigentlichen Ziel der Reise widmen. Der Kampf dem Alkohol. Dieses Mal handelt es sich um eine versprengte Partisanengruppe von mehreren Dosen Ursus-Bier. Es ist schon spät und trotzdem gibt es unter den Partisanen einige Verluste. Die dabei gemachten Fotos mit Selbstauslöser erinnern an Marienerscheinungen.

Wahnsinn. Zum ersten Mal schaffen wir es um 7.11 Uhr zu starten. Wir fahren durch die Karpaten und nehmen unser Frühstück in den Outskirts von Bukarest ein. Es gibt das rumänische Nationalgericht McToast mit einem Latte Macchiato. Tobi schliesst dabei Freundschaft mit einem Straßenhund. Er gibt ihm Futter und bekommt dafür kleine schwarze Tierchen, die jetzt überall auf ihm rumhüpfen.

Zum Abschluss noch einmal: Rumänien ist total klasse. Überall sind die Menschen sehr freundlich und selbst Polizisten entlassen hartnäckigste „Ohne-Licht-Fahrer“ mit einem Lächeln. Alles, ohne ihnen Unsummen an Euro abzunehmen. Und dies, obwohl es in manchen Foren angedroht wurde. Toll. Allein an der Landestracht könnten sie noch arbeiten: Jogginganzüge kleiden auch nur die wenigsten Deutschen. Mit sehr positiven Eindrücken und etwas Wehmut verlassen wir das wunderschöne Rumänien und begeben uns in Richtung Bulgarien.

 
NACHTRAG: 5/09 Montag 04.05


Doch! Wird wohl verraten.
Für unsere heutige Sonderaufgabe galt es u.a. eine lokale Tageszeitung zu besorgen und sich die Schlagzeilen übersetzen zu lassen. Nach reiflicher Überlegung wählten wir das kleine rumänische Städtchen Lipova spontan aus. Einfach mal von der Hauptstraße abgebogen 2x rechts und 4x links, und schnell einen Herrn in seinem Vorgarten ausgewählt. Als wir gerade unsere Wunderwaffe – ein Zettel mit sechs rumänischen Vokabeln, die helfen könnten – scharfgemacht hatten, stellte sich der anvisierte Informant als Herr S. aus Soest in Westfalen vor. Herr S., nach 10 Jahren in Rumänien verheiratet immer noch dem deutschen Privatfernsehen verbunden, freute sich wie Bolle, dass endlich mal die Leute aus dem TV zu ihm nach Hause kommen und schmiedete gleich einen Plan um uns zu helfen.

Seine Frau solle uns zum Bürgermeister von Lipova führen und uns übersetzend zur Seite stehen. Nachdem wir uns dem Dienstweg, der einer Navigation durch bundesdeutsche Behörden in nichts nachstand, folgend bis ins Bürgermeisterbüro hochkomplimentiert hatten, wurde es festlich. Vorzimmer incl. Damen, diverse Mitarbeiter, und repräsentative Fähnchen hinter dem Mahagoni-Schreibtisch im 13qm Eckbüro.

Gemeinsam nahmen wir am Konferenztischchen Platz, beglückwünschten uns gegenseitig und standen kurz vor der Gründung einer Gesellschaft zur rumänisch-deutschen Völkerverständigung. Nach einigen Minuten erschien ein Bote mit einem Buch zur Heimatgeschichte der Region, das uns feierlich überreicht wurde, und mit dessen Hilfe wir weitere Informationen zur Lösung unserer Prüfung bekamen. Es gilt in jedem Land die Nationalhymne mit Übersetzung und Noten, belegbar von einem Ortsansässigen zu bekommen. Bevor wir dazu übergingen uns gegenseitig selbige vorzusingen, verabschiedeten wir uns mit dem Gefühl Freunde gefunden zu haben.

   
4/09 Sonntag 03.05 - Montag 04.05.


Jetzt nur noch einkaufen. Haben wir gedacht. Aber leider geht die Eurocard nicht, Euros gehen auch nicht und das einheimische Geld – ist abgelaufen. Carsten ruft Renate herbei: "wir brauchen Dich", keine Ahnung, welche Waffen sie hat. Aber Kreditkarte macht es möglich. Wir haben jetzt auch was zu essen.

Wir hatten einen kurzen Funkkontakt zum Team „Bremen 1“. Herzliche Grüße von hier aus. Tobi freut sich über den Bruder seines Cousins... nein es war der Schwager der Schwester... ne, er freut sich einfach über alle.

Der Abend rückt näher, und nicht nur die Schlaglöcher werden größer, sondern auch die Spurrillen tiefer. Jetzt sind wir schon rund 1000 km von Oberstaufen entfernt und unendlich weit von unserer gewohnten Umgebung und Bequemlichkeit.

Und wieder ist ein Tag vollbracht – fast zumindest – und wieder ward nicht nur Mist gemacht sondern auch Kilometer. Gemessen an deutschen Autobahnkilometern nicht wirklich viele … aber für einen Eselkarren ein Lebenswerk und genauso fühlen wir uns ... und fuhren auch so.

Nach Staub und Abgasen steigt die unausgesprochene Lust nun endlich - wieder gemeinsam - ein geselliges Bierchen zu genießen. Kurz vor der Grenze beschließen wir, nicht krampfhaft dem Tagesziel, sondern der Kehle zu folgen. Der nächste Campingplatz ist schnell ausgemacht und dieser entpuppt sich nicht nur als wunderschöne grüne Oase, sondern – und jetzt kommt’s - als Sammelpunkt für viele Rallyeteilnehmer und als Jahresumsatz für den aus dem Schlaf gerissenen Campingplatzwirt. Nach und nach trödeln weitere Fahrzeuge ein. Heute Nacht wird gefeiert und nun muss auch endlich der Kräuterschnaps aus Düsseldorf dran glauben. Für uns Kölner eh der Beweis das wir die nicht brauchen und das Zeug schnell weg muss.

Gar nicht so schlecht die Konkurrenz, und so wird heute Abend nicht mehr gefightet, sondern gemeinsam angestoßen. Der Morgen danach sieht dann für einige Sehschlitze noch recht verschwommen aus. Egal und weiter geht es durch die unendliche Schönheit der Natur. Wir genießen den Grenzübergang nach Rumänien, der so unproblematisch ist weil … nun, weil keiner mehr da ist, der hier kontrolliert.

Obwohl - eine kleine hübsche Ungarin unterhält uns bei dem Verkauf der Vignette in jeglicher Sprache. Und weil wir schon mal hier sind, bekommen wir auch gleich den notwendigen Stempel für unser Roadbook. Puh und wieder eine Prüfung geschafft auf dem langen Weg nach Amman.

In Rumänien ist alles anders und dass hier seit 2007 der Beitritt in die EU vollzogen wurde, ist nicht wirklich erkennbar. Doch die Hilfsbereitschaft – die bei uns so häufig vermisst wird kommt echt gut. Wir können also doch voneinander lernen und gemeinsam wachsen.


Auch in Rumänien gilt: Hemd in Hose sieht uncool aus!

Wieder ist ein neues Land da mit einer neuen Aufgabe. Und wer kann uns da nicht besser helfen als der liebe nette Bürgermeister von Lipova persönlich. Doch mehr wird hier jetzt nicht verraten.

   
3/09 Sonntag 03.05. - 18:08


Strecke: Traisen St.- Veith/Tr - .Berndorf - Eisenstadt - Klingenbach
(Au) - (H)  Sopron - Györ - Székefehérvár - Dunaldvöldvár - Kiskörös ..


Der Plan um 7h aufzustehen und um 8 loszufahren war um 10 Uhr ausgeführt. Die Autokonstruktivität der Zelte, sie bauen sich nach Abwurf selbstständig auf, wird leider beim Abbau zu einem fast unüberwindbaren Hindernis. Egal wie weit man sie zusammengefaltet hat, eine falsche Bewegung: Fump, sie stehen wieder.

Nach der Abfahrt fiel uns das vergessene Frühstück ein. Zum Glück war Florianstag. Und frei nach dem Motto: Lieber heiliger Florian, zünd' nicht mein Haus, zünd' and're an, hat sich die freiwillige Feuerwehr St Veith an der Trais (das ist wohl sehr wichtig, weil es ganz viele davon gibt) zu einem kleinen Frühschoppen zusammengefunden. Wir wurden 
eingeladen und labten uns an Cola, Salat und Kassler mit "Krem". Für 
die deutschen Leser sei gesagt, dass es sich dabei um eine Kreuzung zwischen Zwiebel, Chili, Parmesan handelt. Es sieht aus wie Parmesan, es brennt wie Chili, und man heult wie bei einer Zwiebel. Carsten hat hier seine Standfestigkeit leicht unterschätzt. Aber es war schön zu sehen wie er stundenlang: "Boah, das ist aber... hui!" gesagt hat.

Jetzt ist die Nase aber wirklich frei, genau wie die Straße auf der es nach Ungarn geht. Kurz vor der Grenze nochmal das Standard "wo 
geht's lang"-Verfahren angewendet: Solange im Verteilerkreis  
herumfahren, bis wir alle Schilder auswendig kennen, dann hinüber. Wir sind halt nicht ungern in Ungarn.(Michael, 2009)

Kaum angekommen schalten wir natürlich den örtlichen Radiosender ein, und durchstreifen nun bei trauriger, melancholischer Musik die Landschaft.

Wir sehen lustige Sachen: Masten ohne Überleitungskabel. Auf diesen Masten nisten Störche, die Straßen sind Top ausgebaut. Spannend wird es wenn wir nicht die rote Route fahren, sondern der Gelben folgen. 
Dreirädrige Eiswagen wechseln sich mit Pferdefuhrwerken ab. Und dann ... (Zwischenbemerkung: jetzt, wo Tobi mit dem Autotanzen aufgehört hat, trifft man auch wieder die Buchstaben auf der Tastatur) ... und dann gab es da noch diese alte Frau im Rollstuhl, die man mitten auf dem Feld abgestellt hat. Wahrscheinlich zum sterben.

   
2/09 Samstag 02.05. - 23:55


Strecke: Oberstaufen – Immenstadt – Nesselwang – Steingaden – Bad Tölz – Rosenheimn – Traunstein (D) – (Au) Salzburg – Linz – St. Pölten - Traisen - 555km

(Mercedesz :560km - BMW: 553km - VOLVO: 552km
) An der Klärung dieses Phänomens sitzen jetzt mehrere Analytiker... Wahrscheinlich haben Carsten und Fritz aber Schwierigkeiten mit dem Zahlenraum bis 7.

Wir haben dann nochmal tüchtig Gas gegeben, um wenigstens ein paar Mückenleichen auf die frisch orange leuchtenden Dachtaschen unseres Outdoor-Sponsors zu bekommen. Erhobenen Hauptes sind wir dann in das von vielen Teams bereits bevölkerte Festzelt eingezogen, um gleich darauf vor einer brachialen Wand aus tubalastiger Popularmusik in Deckung gehen zu müssen. Von uns, als erste Sonderprüfung zum Thema "Auswirkung extremer akustischer Reize auf das Teamgefüge" fehlinterpretiert, handelte es sich lediglich um den Soundcheck der abendlichen Tanzband. Nach der Verköstigung landestypischer Fleisch - und Bierspezialitäten haben wir es uns dann wieder im Festzelt gemütlich gemacht und das bunte Treiben auf der Tanzfläche und an der angrenzenden Auslauffläche beobachtet. Die Konkurrenz - der Begriff ist natürlich bei diesem Abenteuer bedingt zutreffend - hatte bereits begonnen sich noch vor dem Start aus dem Rennen zu kegeln, und beliebte auf der Tanzfläche um- oder von einer Bierbank zu kippen. Benzin und Abgase scheinen eine bisher unterschätzte positive Auswirkung auf das vegetative Nervensystem zu haben: heute morgen beim Start waren die Strategen immerhin schon wieder in einer aufrechten Position anzutreffen.

Nach Weißwurstfrühstück, Segnungen eines Priesters mit einem Klobürstenähnlichen Gegenstand und vielen mehr oder weniger emotionalen Ansprachen, sind wir dann auch vom freundlichen OK auf die Startrampe gebeten und in die Rallye entlassen worden. Die Rampe ist von ambitionierten Zimmerleuten mitten ins Zelt gebastelt und mit einem ordentlichen Neigungswinkel versehen worden, der nicht nur unseren Mercedes einen Teil der Auspuffbefestigung gekostet hat. Dafür bekommen wir nachfolgenden Volvofahrer seitdem immer eine tolles Feuerwerk an jedem Bahnübergang oder anderen Bodenkontaktstellen geboten. Überhaupt sind wir psychisch noch nicht so weit, unseren Fahrzeugen bewusst physische Schmerzen zufügen zu können und bewundern die Teams, die ihre Ersatzräder einfach auf die Kofferraumklappe gespaxt haben.

Unser Roadbook mit den weiteren Aufgaben und Infos für die Rallye durften wir mit dem Sessellift von der Hübli-Hütte abholen, die wir trotz des verlockenden Angebots drei verschiedener Sorten Wurstsalat relativ zügig wieder verlassen haben - wir hatten den Tag ja noch was vor.

Heute machen wir ja nur eine gemütliche Halbtagesfahrt, die wir dann gleich nach 11h kurz vor Wien abschließen wollen. Unsere größten Probleme sind momentan (neben übermüdeten Fahrern und der panischen Angst vor österreichischer Schlagermusik im Bordradio) 20l ungekühltes Bier und ein durch einen Linzer MacDrive arbeitslos gewordenen und somit schlecht gelaunten Grillmaster. Eventuell machen wir nur noch die Preisschilder von unserer Campingausrüstung, trinken Biersuppe und überlegen wie wir einen Tag ohne Kopfschmerzen beginnen sollen.

   
1/09 - Freitag 01.05. - 23 Uhr


Jetzt geht es endlich los. Ein Volvo ein Mercedes und ein BMW versuchen Aman zu erreichen. Ok, erste Station ist Ittenbach. Ein unbedeutender Ort bei Bonn. Wie verabredet, war um 10 Uhr niemand da. Allerdings dümpelten alle so nach und nach ab 11h ein. Jetzt bleibt die Frage im Raume stehen: Geht das die ganze Woche so weiter oder werden wir das Uhrenlesen noch einmal neu lernen müssen. Aber wir sehen alles "ganz entspannt", schließlich gehört dieser Teil der Strecke noch nicht zur Rallye, sondern ist gerade mal das erweiterte Einparken vor dem Festzelt.

Das erste Problem bahnte sich schon vergangene Woche an: Das optimale Abziehen von vorgefertigten Aufklebern auf Autolack. Verschiedene Strategien, von „mitdefinger!“ über konstant verteilte, gleichmäßige Reibung bis zu „ich haben Geodreieck“ war alles dabei. Nun sehen die Wagen schön bunt aus und fahren auch mit dieser Massenzunahme problemlos durch Deutschland. Bis wir in Neuwied mal kurz anhalten mussten, weil sich das eine Kamel leicht löste und dem Fahrer des BMW, Chris, leicht die Sicht nahm. Aber mit einem herauslehnen aus dem Fenster war das Problem gelöst. Und erneutes Andrücken festigte den ollen Paarhufer (zu denen auch die Lamas gehören) wieder sanft auf der Motorhaube.

Erste Erfahrungen im Teamfahren gesammelt: Das Hintereinanderherfahren funktioniert nur dann optimal, wenn der schnellste Wagen, sollte er denn mal die Führung übernehmen, weil er sich einfach besser auskennt, nicht einfach – schnell ist. Netterweise lies er sich regelmäßig zurückfallen und wir konnten ihn dann wieder einholen. Zum Glück war er beim nächsten Autobahnkreuz wieder weg und wir verbleibenden anderen konnten uns in selbstständiger Orientierung trainieren. Gerade ist er ... ja, NOCH vor uns. So sind sie halt, die BMW Fahrer.

Jetzt halten wir an und werden die Autos mal neu packen, so dass sie zwar weniger windschnittig und weniger gewichtsoptimal beladen sind, aber einfach viel cooler aussehen, mit den silbernen Kisten auf'm Dach.

 
   
 
 
 
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